Bremer Schulkanutag 2012: einige Eindrücke.

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Es gibt ihn also noch, den Bremer Schulkanusport, wie der Ankündigung dieses Ereignisses zu entnehmen war – aber wie läuft so etwas ab, welche Schularten sind daran mit welchen Jahrgangsstufen beteiligt, und in welchen Stadtteilen sind sie beheimatet? All das wollte ich wissen, und so bin ich zum Zugucken hingefahren.

Hier erst mal jede Menge Bilder. Danke an Ronald Schnor.

Unterwegs beschäftigten mich die Fragen: „Wieso eigentlich duldet die Politik Kanu fahren als Schulfach, Kanusport hat doch keine Lobby – oder etwa doch? Was können die Kinder da lernen, was nicht auch in anderen Sportarten zu vermitteln ist? “ Auf die erste Frage weiß ich auch jetzt keine Antwort, auf die zweite hingegen einige, allerdings mit dem Konjunktiv „könnten“ versehen.

Schülerinnen und Schüler könnten ganz unmittelbar praktisch etwas über das sensible Ökosystem „Wasser in der Umwelt“ lernen; erfahren, dass das Kanu das erste gezielt zu bewegende Wasserfahrzeug der Menschheit ist, mit der Verlegung des Standorts aufs Wasser den Blickwinkel, sowie der Fortbewegung dort durch Muskelkraft den Erlebens- und Erfahrungshorizont erweitern. Wie viel davon würde ich entdecken? Stand nicht weit eher der sportliche Wettkampf im Vordergrund?

Das würde ich bald sehen.

Das Wetter zeigte sich, anders als in den letzten Jahren, von seiner besten Seite: leicht bezogener Himmel, keine grelle Sonne, Temperaturen jenseits von 20 º. Für mich Uneingeweihten war anfangs nicht ersichtlich, welche Schulen vertreten waren, aber die Ansagen des Moderators schufen da Klarheit. Bei den Schülerinnen und Schülern im Alter von 10  bis 18 Jahren herrschte eine Mischung aus Wettkampf - und  Picknickstimmung. Die Lehrkräfte zeigten Engagement, wie ich das nicht für möglich gehalten hätte, und die beobachtbaren positiven Rückmeldungen der Mädchen und Jungen zeigten deutlich, dass die Mühe nicht vergebens war. Die Helfer vom LKV waren mehrheitlich Routiniers, aber durchaus nicht weniger engagiert.

Das hat mir besonders gut gefallen.

Und dann wurde es ernst. Die Wettkampfteams wurden aufgerufen, die Boote besetzt und auf der Startlinie ausgerichtet. Die Starthelfer –man könnte sie auch „Anschieber“ nennen– nahmen ihre Plätze ein, die Spannung stieg. Dann das erlösende Startsignal. Mit kräftigem Schwung wurden die Boote vom Ufer abgeschoben, dann tauchten die Paddel ein. Nun waren die Mädchen und Jungen ganz auf sich gestellt. Zu fahren war ein Dreieckskurs (200 Meter) vom Start hinaus auf den See zur ersten Boje, nach deren Umfahren dann parallel zum Ufer weiter zur zweiten, und von dort, wiederum nach einer Kehre, zurück zum Ufer. Dann ging’s mit Hilfestellung heraus aus den Booten, mit dem Paddel in der Hand zur Glocke am Bootstrailer –Zeitnahme–, weiter um den Trailer herum und zum Start, wo das Paddel an den nächsten Starter abgegeben wurde.

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Das alles wurde, wie sich denken lässt, von anfeuernden Rufen begleitet. Die Organisation der Hilfestellung beim Aussteigen und der Transport der verlassenen Boote zum nächsten Start liefen sich allmählich ein, wenn mir auch für das nächste Mal überlegenswert scheint, die jeweils wettkampffreien Schüler insgesamt in festgelegter Reihenfolge daran zu beteiligen. „Schulsport“, habe ich vor Jahrzehnten einmal erklärt bekommen, „zielt auf das erlebte Zusammenwirken von eigener Leistung und Kameradschaft, und die Lehrerin/ der Lehrer schaffen die dafür geeigneten, alle Schüler erfassenden Strukturen.“

Bis zum Abschluss der Auswertung gab es zunächst einen Wettkampf der Lehrer und dann allgemeines Boots- und Badevergnügen. Mit Urkunden- und Pokalvergabe sowie freier Auswahl bei Erinnerungsstücken endete der Schulkanutag für Schüler und Lehrer, während für das Team vom LKV noch die Aufräumarbeiten zu tun blieben.

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Zurück zu den Fragen, die mich auf dem Hinweg beschäftigt hatten. Ganz klar stand an diesem Tag der sportliche Wettkampf im Vordergrund, und wie viel von den zuvor genannten Aspekten des Kanusports bei den unmittelbar Beteiligten sozusagen „Fuß gefasst“ hat, war nicht auszumachen. Zuzugeben ist allerdings, dass sie im Rahmen von immer auch leistungsorientiertem Schulprogramm wenig Raum haben. Da hat es mich gleich doppelt gefreut, von den in Richtung Kanu-Wandersport weisenden Freizeitaktivitäten einiger Schülerinnen und Schüler zu hören.

Mein Fazit: eine rundherum gelungene Veranstaltung! 

JAN- Peter-Josef Schünemann, Ressortleiter Öffentlichkeitsarbeit im LKV Bremen