Blockland

Der folgende Beitrag wurde mit freundlicher Genehmigung des Temmen-Verlages aus diesem Buch entnommen: (Die Fotos wurden vom LKV ergänzt)

Im Land der Moore und Deiche

Wendula Dahle (Hg.)
Im Land der Moore und Deiche
Ausflüge links und rechts der Weser
Ein Reise- und Lesebuch
S. 310-319
Edition Temmen, 5. Aufl. 2005
ISBN 3-86108-466-X

Inhalt:
Kein Deich ohne Land, kein Land ohne Deich
Paddeln rund um Bremen
Durch das Blockland
Kleine Runde (ca. 17 km)
Große Runde (ca. 26 km)

Fortsetzung: Auf Hamme und Beek

Praktische Informationen zum Wasserwandern

Apropos Wasser

Wasserwandern 
Berit Krumbein

»Kein Deich ohne Land, kein Land ohne Deich«

Das Bremer Umland ist von einem dichten Gewässernetz durchzogen. Sehr viele dieser Wasserläufe können für den Wassersport genutzt werden – so Wümme Wümme Kleine Wümme, Kuhgraben, Torfkanal, Maschinenfleet, Gröpelinger Fleet, Teile des Gröpelinger Fleets und der Semkenfahrt sowie Hamme, Beek und Lesum, um nur einige zu nennen.

Für die Unterhaltung und den Schutz dieser Gewässer ist der Deichverband zuständig, eine Institution, deren Wurzeln weit in die Bremer Siedlungsgeschichte zurückreichen. Der bis heute erhaltene Spruch »Wer nicht will deichen, muß weichen« weist auf die Notwendigkeit hin, das kultivierte Land vor der Gewalt des Wassers zu schützen. Immer wieder wurde die Region von Sturmfluten verwüstet, und die Deiche wurden zerstört. Dabei verlor so mancher Grundbesitzer in der Vergangenheit seinen Hof, denn da der Nutzer auch die Kosten zu tragen hatte, haftete jede Hofstelle für ihren Deichabschnitt, getreu dem Grundsatz: »Kein Deich ohne Land – kein Land ohne Deich«. Später schlossen sich mehrere Feldmarken zusammen, um gemeinsam die Deiche zu unterhalten; nach und nach wurden Deichvereine gegründet.

Heute sind alle Grundstückseigentümer der eingedeichten Gebiete in Bremen und umzu Zwangsmitglieder im Deichverband, der die entrichteten Beiträge zur Erfüllung seiner Aufgaben verwendet. Er ist zunehmend bemüht, die wasserwirtschaftlichen Maßnahmen an den Interessen des Naturschutzes zu orientieren und günstige Bedingungen für die Naherholung der Bremer zu schaffen. Die Regulierung des Wasserstandes der Flüsse und Wasserläufe muß jedoch auch die Belange der Stadtentwässerung und der Landwirtschaft berücksichtigen. Die Unterhaltung der Ufer der von Wassersportlern befahrenen Gewässer obliegt dem Deichverband ebenso wie die Betreibung der Schleusen im Blocklander Deich, deren Benutzung zur Zeit kostenlos ist. Zur Pflege der Gräben, die meist einmal jährlich wegen des starken Bewuchses geräumt werden, setzt der Deichverband keine Herbizide, sondern mechanische Verfahren ein, und viele kleinere Wasserläufe werden sogar mit der Hand gekrautet.
BR-TorfkanalDie Deiche selbst stehen in der Regel ebenfalls der Naherholung zur Verfügung. Die befestigten Deichkronen können als Rad- und Wanderwege genutzt werden. Dies ist um so angenehmer, als diese Wege für den Autoverkehr gesperrt sind. Angelegt wurden sie, damit im Falle einer Wassergefahr die Deiche für Hilfskräfte mit Fahrzeugen gut erreichbar sind. Vielleicht haben Sie selbst schon den einen oder anderen Deich erradelt – dann lassen Sie sich überraschen, wie verändert sich die Landschaft vom Boot aus darstellt!
Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an Seen in der näheren und weiteren Umgebung Bremens. Auch sie laden zu aktiver Erholung am, im und auf dem Wasser ein. Das Spektrum an »nassen Vergnügungen« ist breitgefächert, und die folgende Auswahl wendet sich keineswegs nur an passionierte Wassersportler, sondern will auch die Neulinge ermuntern, Bremen umzu auf dem Wasser zu erleben.

Unberührte Natur werden Sie jedoch nicht vorfinden – das Bremer Umland ist seit 1000 Jahren kultiviert. Die Holländer erhielten vom bremischen Erzbischof das Recht, das Sumpfland zu kultivieren. Das Gebiet umfaßt das heutige Blockland und das Hollerland, welches auf diese Weise seinen Namen erhielt. Der Deichbau war in Bremen zwar bekannt, die Technik der Entwässerung jedoch wurde von den Holländern eingeführt. Dazu zogen sie im Gelände Wasserzüge (Wetterungen), die das Wasser aus dem Gelände auf möglichst kurzem Wege den Flüssen zuführen. 
Entlang der Kleinen Wümme wurde ein Achterdeich aufgeworfen (die heutige Blocklander Hemmstraße); von hier aus arbeiteten sich die Siedler ins Sumpfland vor. Die schnurgerade ausgehobenen Entwässerungsgräben bildeten zugleich die Grenze zwischen den einzelnen Hufen, die eine festgelegte Länge von 3 km hatten. In der Breite maßen die Grundstücke dagegen nur 150 m. Durch diese Aufteilung erhielt jeder Bauer den gleichen Anteil an gutem oder schlechtem Land. Außerdem mußte jeder sein Deichstück in Ordnung halten, und diese waren nun auf eine einheitliche, recht geringe Länge – nämlich 150 m – festgelegt. Je nach Bodenqualität wurden die Landstreifen in Acker- und Weideland aufgeteilt. Jedes Dorf hatte ein eigenes Siel, welches das in den Grenzgräben angesammelte Wasser durch den Deich in die Kleine Wümme leitete. Heute werden Siele nicht nur zur Ableitung überschüssigen Wassers genutzt, sondern umgekehrt lassen sie in Trockenzeiten bei Bedarf Wasser ins Binnendeichland einströmen.



Paddeln rund um Bremen

Vielleicht haben Sie noch nie in einem Kanu gesessen? Höchste Zeit für einen ersten Versuch! Sie sollten sich zu Beginn aber auf kürzere Touren beschränken. Unerfahrene Paddler können als Faustregel für eine Strecke von 3 km etwa eine Stunde einplanen. Als Anfänger kostet es nämlich einige Anstrengung, das Boot auf dem richtigen Kurs zu halten, und man bekommt von der ungewohnten Tätigkeit leicht Blasen und Schwielen an den Händen. Bemühen Sie sich um einen aufrechten Sitz und versuchen Sie, sich beim Paddeln nicht zu verkrampfen – sonst schmerzen womöglich die Schultern. Denken Sie auch daran, daß Sie sich unmittelbar am Wasser befinden – da gelangt schon mal ein bißchen kühles Naß ins Boot, vor allem, wenn man in der Handhabung des Paddels noch wenig Übung hat. Sorgen Sie also für angemessene Bekleidung, packen Sie ein Handtuch und vielleicht etwas zum Wechseln ein (wasserdicht verpacken!). An heißen Sommertagen wird Sie das kaum stören. Eine Flußfahrt ist dann sehr angenehm durch die Kühle, die das Wasser ausstrahlt. Kopfbedeckung, Sonnenbrille und eine gute Sonnencreme sollten Sie dann in jedem Falle dabei haben.


Durch das Blockland


BR-Karte_310

(entnommen aus oben genanntem Buch Seite 310)

Hier im Blockland bieten sich heute vielfältige Möglichkeiten für größere und kleinere Rundtouren. Wer kein eigenes Boot besitzt, kann sich eines beim Bootshaus Ramke oder bei Hermann Claus an der Kleinen Wümme ausleihen. Die beiden folgenden Touren kann man von diesen Verleihern aus starten. Sie sind in der Nähe der Universität und mit der Buslinie 28 oder mit der Straßenbahn 6 (Haltestelle Naturwissenschaften I) erreichbar.



Kleine Runde (ca. 17 km)

Diese Tour eignet sich auch für Ungeübte, die vielleicht zum erstenmal paddeln; sie sollten jedoch einen Tag dafür einplanen. Wir starten direkt bei einem der beiden Bootsverleihern an der kleinen Wümme und paddeln flußabwärts in Richtung Stadtwald. Dabei unterqueren wir die Universitätsallee und passieren rechter Hand den Kuhgraben. Hier befindet sich die beliebte Ausflugsgaststätte »Haus am Walde«. Wir lassen uns davon jedoch nicht verlocken und paddeln weiter am Stadwald entlang. Nach etwa 1,5 km mündet links der Torfkanal in die Kleine Wümme. Dieser ist 3,2 km lang und leitet Niederschlagswasser und Grundwasser aus Findorff und dem Bürgerpark in die Kleine Wümme. Bei starken Regenfällen fließt allerdings auch sogenanntes Mischwasser – ein Gemisch aus Abwasser und verschmutztem Oberflächenwasser – aus der Kanalisation in den Torfhafen am Südende des Kanals. Die Wasserqualität ist deshalb meist nicht gut. Man bedenke: Die Bremer Kanalisation ist zum Großteil über 100 Jahre alt und sammelt sowohl häusliche als auch industrielle Abwässer und Regenwasser. In drei Rückhaltebecken wird das Mischwasser zwar mechanisch gereinigt, ein großer Teil belastender Schmutzstoffe verbleibt jedoch darin und gelangt in das Wasser, auf dem wir gerade paddeln. Die Einleitung des Mischwassers in die Kleine Wümme (und in andere Flüsse) ist notwendig, um bei starkem Regen ein Überlaufen der Kanalisation in den Straßen und Kellern zu verhindern.

BR-FindorffAb Sommer 2005 kann man diese Paddeltouren vermutlich auch wieder vom Torfkanal aus beginnen, dessen Ufer trotz allem von Wasserpflanzen bewachsen sind, und an dieser Stelle links in die Kleine Wümme einbiegen. Die Lilienthaler Kanu-Scheune plant die Einrichtung eines Verleihs am Bürgerpark. Auch der Findorffer Torfhafen soll aufgewertet werden.

Inzwischen (2006) ist der Torfhafen gründlich renoviert worden und für als Einsetzstelle für Paddelboote sehr geeignet. Auch der Torfkanal wurde deutlich aufgewertet.

Weiter geht es also wieder auf der Kleinen Wümme. Meist tummelt sich eine Schar fröhlicher Enten auf dem Wasser, die darauf spekulieren, von Spaziergängern ein paar Brocken Brot zu ergattern. Wir erreichen nach kurzer Zeit den Gehrkenstau. Er ersetzt seit 1990 den alten Stau von 1936 und verfügt über eine bewegliche Stauklappe, um die Wasserstände in der oberen Kleinen Wümme und damit auch im Torfkanal und im Kuhgraben zu regulieren. Die Wasserstände oberhalb und unterhalb des Staus werden automatisch registriert. Die Stauklappe hält selbsttätig die aus der Steuerzentrale vorgegebene Wasserstandshöhe. Außerdem verhindert der Stau, daß das Mischwasser aus dem Rückhaltebecken Müllverbrennungsanlage zurückfließen und so in den Kuhgraben gelangen kann. Im Wasser der Kleinen Wümme jedoch (ebenso wie im Maschinenfleet) sind noch fein verteilte Fäkalien, Ölreste, Gummiabrieb von den Straßen und auch giftige Verbindungen enthalten.

Durch Bakterien werden diese Stoffe mit Hilfe von Sauerstoff abgebaut. Dabei entziehen sie der Kleinen Wümme manchmal soviel Sauerstoff, daß Fische, Muscheln, Würmer, Amphibien und Insektenlarven ersticken. Im Unterlauf der Kleinen Wümme und in größeren Fleeten des Blocklandes finden sich hingegen noch die für die Wasserflora und -fauna wichtigen Fluß- und Teichmuscheln. Der Deichverband bemüht sich um eine Verbesserung der ökologischen Situation in seinen Gewässern; zur Aufnahme und Weiterleitung von Abwasser ist er leider verpflichtet. Durch Verbesserungen im Kanalnetz von Seiten des Senats hat sich die Wasserqualität in der Kleinen Wümme und im Maschinenfleet in den letzten Jahren schon erheblich gebessert.

Wir müssen an dieser Stelle eine handbetriebene Schleuse passieren. Man fährt linker Hand in die Schleuse hinein. Falls das Tor geschlossen ist, müssen Sie aussteigen. Überprüfen Sie zuerst, ob das hintere Tor und dessen Klappe geschlossen sind. Der Wasserstand in der Schleuse muß so hoch sein wie der vor dem vorderen Tor, denn nur dann können Sie das Tor öffnen. Stimmen die Wasserstände nicht überein, so öffnen Sie die Klappe im vorderen Tor über eine Kurbel. Nun kann das Wasser einströmen, bis die Differenz ausgeglichen ist. Das Tor hat zwei Flügeltüren, die Sie nach vorn aufklappen müssen. Sie fahren nun in die Schleuse hinein, schließen das vordere Tor und dessen Klappe und öffnen dann die Klappe im hinteren Tor, damit sich die Wasserstände wiederum angleichen können. Jetzt öffnen Sie das hintere Tor und verlassen die Schleuse. Eine mechanisch ganz von Hand betriebene Schleuse ist ein Erlebnis! Auf dem Papier mag es kompliziert klingen, aber keine Sorge, wenn Sie die Schleuse vor sich haben, wird sich Ihnen der Mechanismus erschließen. Oft sitzen auch Kinder am Rand und freuen sich, Ihnen behilflich sein zu können.Deichverband

Leider kann man noch immer nicht ungetrübt die freie Natur genießen, sondern muß erst die Autobahnbrücke und die Müllverbrennungsanlage hinter sich lassen. Linkerhand erstrecken sich die grünen Hänge der »Waller Müllberge«, die ihren Ursprung kaum noch erahnen lassen und die als höchste Erhebung der Gegend das flache Land unterbrechen. Manchmal wird der Anblick von hingewehten Plastiktüten zusätzlich verschandelt. Trotz allem ziehen sich entlang des rechten Ufers kleine Parzellen, deren Besitzer sich nicht durch diese Beeinträchtigungen abschrecken lassen und sich in ihrer Gartenzwergidylle offenbar recht wohlfühlen. Zum Ufer hin haben sie ihre Grundstücke durch »Spundwände« aus alten Bettgestellen, Türen, Steinen, Maschendraht und ähnlichem gesichert. Diese sind zwar teilweise recht phantasievoll, entsprechen aber nicht ökologischen Gesichtspunkten. Der Deichverband fördert deshalb eine naturnahe Ufergestaltung, kauft Uferstreifen auf und setzt Zäune, die das Vieh daran hindern, das Ufer zu zertrampeln. Parzellenbesitzer und Landwirte werden beraten und unterstützt, wenn sie bereit sind, einige Quadratmeter ihres Besitzes aufzugeben, um wieder abgeflachte Ufer mit Röhrichtgürteln anzulegen. Dies ist auf Dauer nicht nur ein schönerer Anblick, sondern auch eine kostengünstige und haltbare Ufersicherung. Gefordert sind an dieser Stelle auch die Wassersportler, denn durch die Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit von 8 km/h (keine Sorge – mit Ihrem Kanu sind Sie im »grünen Bereich«!) wird das Ufer durch Wellenschlag unterhöhlt und der Pflanzenbewuchs losgespült. Bleibt zu wünschen, daß alle Beteiligten ihr Möglichstes tun, auf daß wir unser Auge zunehmend an natürlichem Uferbewuchs und blühenden Pflanzen erfreuen können.

Nach einiger Zeit erreicht man eine Gabelung, an der die eigentliche Rundtour beginnt. Sie liegt ca. 4 km vom Ausgangspunkt entfernt. Rechts fließt die Kleine Wümme, deren gewundenem Lauf wir weiter folgen. Die Ufer werden Kleine Wümmeteilweise von Bäumen gesäumt. Vielleicht können Sie einige Gehölze erkennen – wenn Sie Schwarzerlen, Weiden und Eschen sehen, so hat sich wieder eine standortgerechte Ufervegetation angesiedelt. Auch die Röhrichte, die Sie hin und wieder erblicken, sind ein natürlicher Bewuchs, der dem Standort entspricht. Ein Röhricht besteht aus verschiedenen, im Wasser stehenden Pflanzen, wie Schilf, Gräser, Rohrkolben, Binsen und Seggen. Durch ein ausgedehntes Luftgewebe im Stengel können diese Pflanzen ihre im Wasser stehenden Wurzeln mit Sauerstoff versorgen.

Immer wieder kann man das Auge über Pferdekoppeln und Kuhweiden schweifen lassen. Das Vieh hat die Uferböschung zum Teil niedergetreten. Um dies zu verhindern, sind die Weideflächen oft durch Zäune zum Ufer hin begrenzt. Das Vieh muß stattdessen über Tränken mit Wasser versorgt werden, oder es trinkt aus kleineren Abzugsgräben. Auch diese Maßnahme unterstützt die Entwicklung neuer Röhrichte. Die Hektik des Stadtlebens liegt jetzt hinter uns. Vorbei an einigen Wochenendhäusern erreicht man nach weiteren 4 km die größte im Wümmedeich: Dammsiel. Hier endet die Kleine Wümme.

Das alte Siel besteht nicht mehr. Seine Aufgabe, nämlich überschüssiges Wasser in die Wümme bzw. Lesum einzuleiten, hat inzwischen das Schöpfwerk Wasserhorst übernommen. Die Dammsielschleuse war früher wichtig für die Moorbauern aus dem Hammegebiet, die auf diesem Wege ihre Torfkähne nach Bremen brachten. Heute nutzen nur noch Sportbootfahrer die Schleuse. Während der Erneuerung der Schleuse vor einigen Jahren ließ der Deichverband zwei Hubtore anbringen und eine Zuwässerungsleitung installieren, damit in Trockenzeiten Wasser aus der Wümme in die Kleine Wümme geleitet werden kann, um deren Wasserqualität zu verbessern. Der Deichverband sorgt schließlich auch dafür, daß die Wasserstände in den befahrbaren Gewässern stets hoch genug für die Wassersportler und ihre Boote sind. Wenn Sie eine Pause machen möchten, so besteht die Möglichkeit, im hiesigen Gasthaus einzukehren.

Schleusen müssen wir hier nicht, denn direkt vor der Schleuse biegt links das Gröpelinger Fleet ab, welches aus ökologischen Gründen in der Zeit vom 15.03.–30.06. nicht befahren werden soll. Das Ufer darf nur an den gekennzeichneten Stellen betreten werden. Diesen Selbstbeschränkungsmaßnahmen des Landeskanuverbandes Bremen ist unbedingt Folge zu leisten, da die betroffenen Gewässer sonst völlig gesperrt werden. Nach 2,4 km erreicht man das Maschinenfleet, in das man links einbiegt. Bis ins 19. Jahrhundert hinein war der Graben als »Der alte Deich« bekannt. Als 1862/64 das Schöpfwerk Wasserhorst errichtet wurde, baute man ihn zum Sielgraben aus. Seitdem wird er als »Maschinenfleet« bezeichnet. Das Stück zwischen Oslebshauser Fleet und Wasserhorst ist leider nicht befahrbar. Bei einsichtigem Verhalten der Bootsführer, das zum Erhalt der naturnahen Räume beiträgt, ist jedoch in Zukunft eine teilweise Öffnung für den Wassersport denkbar.
Die Hochspannungsleitungen entlang des Fleets erinnern bereits wieder an die Nähe der Stadt. Auf dem Wasser jedoch kann sich das Auge an Seerosen erfreuen, die uns für dieses Manko entschädigen. Auf einer Länge von 1,8 km wurde 1985 das Ufer des Maschinenfleets abgeflacht und Röhricht angepflanzt. Durch Geschwindigkeitsübertretungen wurde das Ufer aber leider wieder beschädigt. Nach 2,7 km mündet das Maschinenfleet an der Stelle in die Kleine Wümme, wo die Rundfahrt begann. Von hier aus kehrt man auf demselben Weg zum Bootsverleih zurück.


Große Runde (ca. 26 km).

Auch diese Rundtour kann vom Kanuverleih aus begonnen werden, man kann jedoch ebensogut eine andere Einsetzstelle wählen. Die Tour stellt bereits höhere Anforderungen, so daß sie für Anfänger nur bedingt geeignet ist. Vor allem der Gezeiteneinfluß auf der Wümme erfordert ausreichende Sachkenntnis. Die Fahrt muß zeitlich in Abhängigkeit von Hoch- und Niedrigwasser geplant werden, und je nach Tide muß man die Tour in umgekehrter Richtung absolvieren. (Siehe unbedingt Infokasten »Zum Einfluss der Gezeiten«!)

Man paddelt die Kleine Wümme entlang bis zum Kuhgraben, welcher rechts abbbiegt. Hier passierren wir das »Haus am Walde«. An warmen Tagen kann man hier angenehm im Biergarten sitzen, und mitunter ist es dann sogar schwierig, einen freien Platz zu finden. Wer also wider Erwarten hier schon von Hunger oder Durst übermannt wird, kann kurz nach der Brücke an einem Steg anlegen und aussteigen. Aber keine Sorge, es wird nicht die letzte Einkehrmöglichkeit sein!

Auf dem schnurgeraden, mit Teichrosen bewachsenen Kuhgraben entfernen wir uns von der Stadt. Hinter der Autobahnbrücke befindet sich linker Hand der Kuhgrabensee, ein Naturschutzgebiet, das besonders vielen Vogelarten als Rast-, Nahrungs- oder Brutplatz dient. Es lohnt sich, mit dem Rad hierher zurückzukehren, da der Ausstieg kaum möglich ist.

Der gut 3 km lange Kuhgraben mündet an der Schleuse Kuhsiel in die Wümme. Über Kuhsiel brachten Lastkähne aus Lilienthal und Borgfeld seit dem Mittelalter Getreide und Vieh nach Bremen. Die Kähne mußten über den Wümmedeich gezogen werden und fuhren dann den Kuhgraben entlang, vorbei an der Munte und am Bürgerpark bis zum Dobben. Auch die Torfschiffer legten am Dobben an, um von hier aus die Städter mit Heizmaterial zu versorgen. Als der Torfhandel zunahm, wurde im vorigen Jahrhundert eine Schleuse in Kuhsiel gebaut. Die inzwischen neugebaute Schleuse ist maschinell selbst zu bedienen und schleust ca. 4000 Sportboote im Jahr. Man kann jedoch auch rechts an der Insel und am Pumpwerk vorbei zur Umtragestelle paddeln. (Vorsicht : Schwimmsteg liegt im Strömungsbereich des Pumpwerk-Auslaufes.)

Das moderne Schöpfwerk Kuhsiel ist nur für die Entwässerung ausgerüstet. Bei Trockenheit kann aber durch eine Röhre im Deich Wümmewasser in den Kuhgraben eingelassen werden. Eine solche Spülung wird auch dann in Gang gesetzt, wenn über die Notauslässe Abwässer aus der Bremer Kanalisation in die Kleine Wümme eingeleitet wurden. Die größere Wassermenge und die erhöhte Fließgeschwindigkeit sorgen für den schnelleren Abtransport der Abwässer in der Kleinen Wümme Richtung Wasserhorst. Diese Spülung dauert etwa zwei Tage. Wenn jedoch der Wasserstand der Kleinen Wümme in Folge der Mischwassereinleitung so hoch steigt, daß die Findorffer Keller von Überflutung bedroht sind, muß in Kuhsiel abgepumpt werden, um den Wasserstand zu regulieren.
Das große, reithgedeckte Gasthaus lädt an dieser Stelle zu einer Pause ein. Noch liegen aber vier Fünftel der Strecke vor uns; also nicht zu lange verweilen!

Weiter geht es auf der gemächlich fließenden Wümme flußabwärts, die wir in dieser Richtung BR-Wuemmenur bei ablaufendem Wasser befahren können. Hier erleben wir das einzigartige Schauspiel der Gezeitenwirkung auf einem Süßwasserfluß. Die Wümme war im 18. und 19. Jahrhundert – neben Hamme und Blocklandkanälen – ein wichtiger Transportweg für den im Teufelsmoor gestochenen Torf. Auf solchen Torfkähnen kann man heute Ausflugsfahrten ins Moor unternehmen und dabei so manches über den alten Jan van Moor und seine Kollegen erfahren.

Wir jedoch folgen nun den vielen Windungen dieses Heide- und Wiesenflusses durch das ausgedehnte Naturschutzgebiet Blockland – nach all den kurvenlosen Gewässern eine wahre Freude – und genießen die Weite der Landschaft. Diese läßt sich vom Boot aus ganz anders erleben, da sich unser Horizont durch die Froschperspektive verändert. Häufig verstellen schon Schilf und Röhricht am Ufer den Blick auf die umliegenden Wiesen, und über uns dehnt sich nur der weite, vielleicht sogar blaue Himmel.

Wir paddeln am besten immer rechts in der Flußmitte, da die Strömung in der Mitte des Flusses am stärksten ist und uns vorwärts schiebt. In Ufernähe kommt es – besonders an Flußbiegungen – leicht zu Strömungsänderungen, so daß das Boot schwerer steuerbar ist. An der etwa 12 km langen Strecke auf der Wümme sind mehrere weitere Lokale gelegen, die man für eine Rast ansteuern kann, bevor man die Schleuse Dammsiel erreicht. Die meisten Gastwirte sind sehr paddlerfreundlich. Wo die Semkenfahrt in die Wümme mündet, liegt z.B. das Gasthaus Gartelmann. EinigeBR-DammsielKlometer weiter liegt am linken Ufer (gegenüber von Höftdeich) die »Alte Wümmescheune«, wo man in einem idyllischen Garten selbstgebackene Torten und Kuchen genießen kann. Wir setzen unsere Fahrt auf der Wümme bis nach Dammsiel fort. Für die Schleuse braucht man sich nicht vorher anzumelden, sondern macht sich einfach mit der Glocke beim Schleusenwärter bemerkbar. Geschleust wird halbstündlich. Sollte er nicht im Häuschen sein, schauen Sie mal im beliebten Gartenlokal nach, welches hier zur Einkehr einlädt – der Schleusenwärter ist zugleich der Gastwirt. Das hängt damit zusammen, daß das Grundstück dem Deichverband gehört, und der Mietvertrag für das Gasthaus ist untrennbar an das Amt des Schleusenwärters geknüpft. Alternativ gibt es eine Umtragestelle, das ist jedoch etwas mühsam.

Über die Kleine Wümme nähern wir uns der Stadt und damit unserem Ausgangspunkt. Nach etwa 4 km münden rechts das Maschinenfleet und das Waller Fleet in die Kleine Wümme, wir folgen jedoch dem Flußlauf. Nachdem wir die begrünte Mülldeponie, die Autobahnbrücke und die Müllverbrennungsanlage hinter uns gelassen haben, stoßen wir auf ein Wehr mit der Selbstbedienungs-Schleuse Gehrken Stau, die wir in der 1. Tour beschrieben haben. Die Kleine Wümme führt uns – immer geradeaus und vorbei am Stadtwald – wieder zurück zum Bootsverleih. Von hier aus lassen sich auch längere Touren paddeln. Tips für die Planung bezüglich der Gezeiten erhalten Sie beim jeweiligen Kanuverleih.

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