Sportlich, sportlich – die 28. Weser-Tidenrallye

Nachdem sich die Weser während der An- und Vorfahrten nahezu spiegelglatt gezeigt hatte, verlangte sie den 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmern am Samstag dann doch erheblichen sportlichen Ehrgeiz ab. Am Freitagabend hatte es noch geregnet, aber am Samstagmorgen strahlte die Sonne vom wenig bewölkten Himmel. Der Wind aus Südsüdwest sang vor dem Start schon deutlich hörbar in den Wanten und Stagen der im Sporthafen liegenden Segelboote und ließ auf mindestens 3 Beaufort schließen. Wind gegen Tide auf der Höhe von Nordenham -bei rund einem Kilometer Flussbreite- wirft regelmäßig Wellen zwischen 50 und 80 Zentimeter auf – da weiß Frau wie Mann eine dicht schließende Spritzdecke zu schätzen. Schon nach wenigen Kilometern frischte der Wind auf, und als Böen die Wellen zusätzlich mit dem typischen Riffelmuster versahen, waren volle 5 Beaufort erreicht. Im Schutz der möglichst rücksichtsvoll agierenden Begleitboote fühlten sich auch die Erstbefahrer des Tidenreviers sicher. Nach 32 gepaddelten Kilometern bot die am linken Weserufer beginnende Bebauung erstmals merklichen Windschutz.

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Das Silberziel nach 33 Kilometern,

der Kanu-Club Rönnebeck, wurde von 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmern angesteuert. Ob der Blick von der Terrasse auf die Weser, die überaus freundliche Atmosphäre dort, die aktuellen Bedingungen, oder Vernunftgründe den Ausschlag für diese Entscheidung gaben, ist unerheblich. Wer ankam, war für mehr als nur Augenblicke mit sich, Boot, Ausrüstung, und vielleicht sogar der Welt insgesamt zufrieden. Zugleich kam dem Silberziel in diesem Jahr eine unvorhergesehene Sonderstellung zu, denn dort landeten nicht nur die mit 80 Jahren älteste (Brigitte Born), und mit 15 Jahren jüngste Teilnehmerin (Luna Blonn) in Einern, sondern auch der erste bei allen bisherigen Tidenrallyes gefahrene Solokanadier! Die große sportliche Leistung des Fahrers wurde, wie ich hörte, schon unterwegs respektvoll kommentiert, und mindestens einmal wurde er auch direkt darauf angesprochen.

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44 Kilometer bis zum Goldziel reizen auch Leistungssportler

Der mehrfache Europameister im Kanu-Marathon, Thomas Kittner, erreichte TURA-Kanusport an der Lesum als Erster in knapp vier Stunden, erhielt dafür aber ganz genau die gleiche Urkunde wie alle anderen der 270 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die am Goldziel mehr oder weniger erschöpft und sehr glücklich eintrafen. Es ist eben nichts anderes als die bestandene Wettfahrt mit der Tide, die belohnt wird. Neu, und dankbar angenommen war der von Björn Hartmann (WSV Nordenham) organisierte Bootstransfer per Trailer zurück nach Nordenham für jene, die Zelt oder Wohnwagen in Nordenham stehen gelassen hatten.

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Das Platinziel bei den KanuSport-Freunden nach 59 Kilometern

erreichten 35 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Wie mögen sie sich gefühlt haben? Ich weiß es nicht, kenne aber die Strecke ab Vegesack recht gut. Spätestens beim Sportboothafen Hasenbüren, nach sechs Kilometern, ist die Tide auch in ihrer stärksten Phase kaum noch hilfreich schiebend zu spüren, weiter oberhalb zeigt sie sich lediglich im Steigen oder Fallen des Wasserspiegels. Und dann zählt einzig die eigene Kraft fürs Vorwärtskommen! Aber wie viel ist davon noch übrig, nach 44,5 bereits gepaddelten Kilometern, 32 davon gegen den Wind? Mit körperlicher Kondition allein, hat mir der einzige dort angekommene Faltbootfahrer verraten, sei das nicht zu schaffen; unbezwingbarer Sportsgeist müsse das Kommando übernehmen, und dann käme frau oder man auch am Platinziel an.

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Kurz vor Schluss ein knapper Rückblick auf das Rahmenprogramm

An- und Vorfahrerinnen und -fahrer trafen beim Fischessen in Brake zusammen, die Führung durchs Hermann-Allmers-Haus in Rechtenfleth brachte auch Revierkundigen neue Einblicke in das kulturelle Leben der Wesermarsch, und für jene, die erst am Donnerstagabend in Nordenham eingetroffen waren, gab es am Freitagmorgen ein Schmankerl in Form einer weiteren geführten Fahrt nach Brake, wo wiederum Fisch gegessen wurde.

Am Freitagabend wurden in einem gut besuchten Vortrag von Gabriele Koch aus Bonn, der EPP-Referentin des DKV, die sich hartnäckig haltenden Vorurteile gegenüber dem Europäischen Paddel Pass Deutschland ausgeräumt. Vielmehr wird mit der Einführung des EPP die Kanu-Freizeitsport-Ausbildung in Deutschland erstmals verbindlich geregelt – und wer weiß, wie verschieden Kanuten und Vereine allein schon wegen der jeweiligen Heimatreviere und/oder sportlichen Schwerpunkte „ticken“, der weiß auch, welch großer Schritt das ist. In der Konsequenz vermittelt jeder vom DKV als Ausbilder anerkannte Verein die gleichen Inhalte, Fertigkeiten und Fähigkeiten, so dass die individuelle Wahl eines ausbildenden Vereins ausschließlich „nach Gefühl“ erfolgen kann. Der EPP ist jedoch, so die Referentin, nicht in Beton gegossen, sondern wird in Zusammenarbeit mit den Kanusport-Organisationen der anderen Länder stetig weiter entwickelt.

Und zum Schluss?

Ein großes Dankeschön an alle, die mitgeholfen haben, auch die 28. Weser-Tidenrallye durchzuführen – und ein besonderes an die Kameradinnen und Kameraden vom WSV Nordenham sowie der Sporthafengemeinschaft, die so großzügig Gastfreundschaft gewährt haben. Ohne sie alle gäbe es diese Veranstaltung nicht, und niemand könnte zum Abschied sagen:

„Bis zum nächsten Mal bei der Weser-Tidenrallye!“

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                                         JAN vom Tidenrallyeteam