Fahrt zur 21. WTR

Fahrt zur 21. Weser-Tidenrallye ICF

Nachdem wir in diesem Jahr die Weser-Marathon bei einem hervorragenden Wasserstand von 3,74 m Pegel in Hann.Münden mitgefahren haben, soll es nun zur Weser-Tidenrallye (WTR) gehen. Endlich hat auch Petrus ein Einsehen und beschert uns ab Dienstag trockenes und wärmeres Wetter.

Bei TURA BREMEN treffen sich Liesbeth, Waltraud, Heiko, Jürgen, Knut, Peter, Simon, Wilfried und ich, um von hier aus gemütlich in 2 Tagesetappen nach Nordenham zu paddeln. Auf dem Bootshausgelände herrscht schon emsiges Treiben. Fleißige Hände sind damit beschäftigt das Gelände zur WTR vorzubereiten. Der Rasen wird gemäht, aufgeräumt, Parkplätze eingerichtet, Stände für die Ausgabe von Medaillen, Kaffee- und Kuchen sowie Grillwurst und Getränke werden eingerichtet, denn es soll ja am Samstag alles "hübsch" sein.

Jetzt beginnt für uns das Verstauen der Gepäckstücke. So früh im Jahr muss immer wieder überlegt werden, an welcher Stelle welches Packstück gehört. Hier zahlt sich aus, daß die Erfahrung von etlichen Wanderfahrten mit Gepäck hilfreich ist und so macht das Verstauen keinerlei Probleme.

BeiBrakeIn der Zwischenzeit ist die Flut schon so weit aufgelaufen, dass wir bei leichter Gegenströmung losfahren. Was für eine Ruhe auf dem Wasser, kein Boot weit und breit nur unsere 7 Einer und 1 Zweier sind in Richtung Unterweser unterwegs. Vorbei am Ufer der "Bremer Schweiz" geht die Fahrt durch das Lesum-Sperrwerk in Richtung Wesermündung bei Km 17. Das Lesum-Sperrwerk dient als Hochwasserschutz für die dahinter liegenden Gebiete und wurde nach der Sturmflut von 1962 gebaut.

Vorbei an dem Segelschulschiff "Deutschland" erreichen wir die Mündung in die Weser bei Vegesack. Übrigens, wer sich traut, kann sich auf dem Segelschulschiff trauen lassen.
An der Mündung ist Vorsicht geboten. Zwei Fähren, die in kurzen Abständen die Weser queren, erfordern unsere Aufmerksamkeit. Vorbei an der Strandpromenade Vegesack geht die Fahrt weiter in Richtung Weserinsel Harriersand. An der ehemaligen Vulkan Werft herrscht nach deren Niedergang wieder emsiges Treiben. Verschieden Firmen aus dem maritimen Umfeld sind hier wieder tätig. Früher wurden auf der Vulkan Werft "Ozean Riesen" gebaut und vom Stapel gelassen. Aber das ist nun Geschichte.

In Rönnebeck winken uns die Kanuten vom KCR zu und wünschen uns hiermit gute Fahrt.

Kurz hinter der Fähre Farge-Berne liegt auf der rechten Weserseite der U-Boot Bunker "Valentin". Dieses Monument aus den letzten Tagen des 2. Weltkrieges ist schon beeindruckend. Hier sollten in Sektionsbauweise U-Boote auf dem Fließband entstehen. Über 10.000 Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und KZ-Insassen haben in den letzten Jahren des 2. Weltkrieges diesen Bunker gebaut. Mit seinen überdimensionalen Ausmaßen ist er schon von weitem auszumachen. Zur Zeit wird ein kleiner Teil des Bunkers als Materialdepot der Bundeswehr genutzt. Dem Rahmen entsprechend wird hier seit einigen Jahren mit großem Erfolg das Theaterstück "Die letzten Tage der Menschheit" von dem Regisseur Johann Kresnik aufgeführt.

BeiBrake2

Vorbei an der Einfahrt zur Kleinen Weser erreichen wir nach ca. 4 Stunden unser Ziel auf der Weserinsel Harriersand. Hier schlagen wir für eine Nacht unsere Zelte auf. Beim abendlichen Zusammensitzen machen Geschichten von früheren Fahrten die Runde, auch ein Glas Wein darf dabei nicht fehlen. Müde und zufrieden mit dem heutigen Tag legen wir uns in die Zelte. Am anderen Morgen kommt Bauer Körber vorbei, um an "seinem" Strand nach dem Rechten zu sehen. Wir haben mit ihm seit Jahren ein hervorragendes Verhältnis. Ausgenommen von kleineren Sturmfluten, die wieder Land vom Harriersand weggenommen haben, hat er mit seinem Hof das Winterhalbjahr gut überstanden, erzählt er uns.

Heute ist es nur eine kleine Tour bis nach Nordenham. Schon 2 Stunden vor Hochwasser Brake legen wir ab und "schummeln" uns am Rand entlang, um der Flutströmung ein Schnippchen zu schlagen. Kurz hinter der Fähre Sandstedt beginnt der Ebbstrom stärker zu laufen. Wir haben Glück und können über die Schlickbänke vor dem Vereinsgelände des WSV Nordenham im Sand aussteigen.

Auch hier beobachten wir Aktivitäten der Vereinsmitglieder zur Vorbereitung der WTR.

Zeltlager

Wir bauen unsere Zelte auf und genießen den Blick aufs Wasser. In der Entfernung sehen wir die Skyline von Bremerhaven. Im großen Weserbogen liegen links die Hafenanlagen von Nordenham. Z.Zt. haben aber keine Seeschiffe an der Kaianlage festgemacht.

So langsam kommen immer mehr Teilnehmer nach Nordenham. Denn die zwei Tage vor der Rallye werden Vorfahrten auf der Weser angeboten. Viele bekannte Gesichter von vorherigen Veranstaltungen sind auszumachen. Alle wesentliche Infos zu den Vorfahrten sind auf dem Bootshausgelände ausgehängt.

1.Vorfahrt: UW8

Am Himmelfahrtstag findet die bereits 6. UW8-Fahrt mit 48 Teilnehmern statt. UW8 steht für Unterweserachtfahrt, d.h. es werden zwei Inseln umfahren. Der Start erfolgt bei dieser Fahrt im Jachthafen von Großensiel. Weseraufwärts geht es mit dem Flutstrom am Atomkraftwerk Esensham vorbei in den Seitenarm "Schweiburg" . Die stille, langgezogene Insel die im nördlichen Teil Reiherplate und im südlichen Teil Strohauser Plate heißt, trennt die Schweiburg vom Hauptfahrwasser der Weser. Nach ca. 12 Km haben wir die Mündung in die Weser erreicht. Hier heißt es sammeln. Gemeinsam queren wir den Hauptstrom der Weser um in die "Kleine Weser" einzufahren. In Höhe der Pieranlagen von Brake sehen wir "Speedy" auf uns zukommen. Speedy ist die Schnellfähre nach Helgoland, die mit über 50 km/h durch das Wasser prescht und die Fahrgäste zur Insel bringt.

Pausenplatz

Der Seitenarm hinter dem Harriersand ist zunächst sehr breit und hat am Ende eher Kleinflußkarakter. Nach weiteren 12 Km erreichen wir die Südspitze vom Harriersand. Hier ist eine ausgiebige Pause angesagt. Mit dem einsetzenden Ebbstrom fahren wir dann auf der Weser nach Nordenham zurück. Im Jachthafen hat sich dann somit die 8 geschlossen.

Am Abend wird im Clubraum des WSV Nordenham eine Filmvortrag von einer Ski-Langlauf-Tour mit Schlittenhunden sowie einer Paddeltour auf dem Sognefjord in Norwegen gezeigt. Als Highlight gibt es noch einen Wildwasserfilm von Norwegens Wildwasserperlen Sjoa, Otta und Bövra zu sehen. Klaus Hartmann aus Warendorf hat die Filme mitgebracht und einem zahlreichen Publikum vorgeführt. Von hieraus noch einmal ein herzliches Dankeschön.

2.Vorfahrt zum Huntesperrwerk

Am letzten Tag der Vorfahrten starten wir bei strahlendem Sonnenschein wieder im Jachthafen. Heute geht es auf der Weser mit dem Flutstrom bis zur Sportbootschleuse in Elsfleth. Über 30 Boote drängen sich in die Schleuse hinein. Der Sportboothafen von Elsfleth ist ein Unikum, denn der Austausch des Wassers erfolgt über eine Absenkung im Deich auf der Weserseite. Bei Hochwasser läuft über diese Senke automatisch Wasser in den Hafen und sorgt wieder für einen ausreichenden Wasserstand. Bei ablaufendem Wasser läuft nur sowenig Wasser heraus, bis die Oberkante der Senke erreicht ist. Eine geniale Idee, um den Hafen mit Frischwasser zu versorgen. Wir sind mit der Gruppe zur Besichtigungstour im Huntesperrwerk angemeldet. Ein Mitarbeiter des Sperrwerks nimmt uns in Empfang und führt uns zu seinem Arbeitsplatz in luftiger Höhe über dem Sperrwerk. Eine tolle Aussicht bietet sich uns bis weit in das Hinterland. Zur Zeit wird gerade ein Tor einer Revision unterzogen. Das Huntesperrwerk wird im Verbund mit dem Lesum- und Ochtumsperrwerk betrieben. Eine Schließung eines Sperrwerke erfolgt nur, wenn alle 3 Sperrwerke funktionstüchtig sind. Die Anzahl der Schließungen ist natürlich von den Hochwasserständen abhängig. Es gibt Jahre in denen die Sperrwerke bis zu 80 mal geschlossen werden. Wir werden ausgiebig über technische Gegebenheiten informiert.

ImSperrwerk

Über eine lange Wendeltreppe erreichen wir die Sohle des Sperrwerkes. Hier unten ist es schon etwas feucht und klamm. Leider fährt über uns kein Schiff entlang, so ist uns das Erlebnis entgangen, dass uns das Geräusch wie in einem U-Boot vorgekommen wäre. Für alle von uns ist es das erste Mal, dass wir unter der Hunte durchgehen. Wieder am Tageslicht angekommen wird noch eine Mittagspause gemacht. Gestärkt starten wir zu unserer Rückfahrt nach Nordenham

Am letzten Abend vor der eigentlichen WTR wird ein Dia Vortrag von Island gezeigt. Es ist schon überwältigend welche Naturschauspiele dieses Land für seine Besucher hat. Nicht umsonst ist Klaus Froehner mit seiner Frau mehrfach dort gewesen. Nochmals vielen Dank für die herrlichen Bilder.

Ein gemeinsames Abendessen in einem nicht weit vom WSV Nordenham entfernt liegenden Restaurant, rundet unsere gemeinsame Anreise in der Gruppe ab.

Volker

Am Tag der Tidenrallye ist jeder mit sich selbst beschäftigt, alles wieder einzupacken um in normaler Zeit das Gold-Ziel zu erreichen. Beim Verein Tura Bremen werden viele Hände zum Abschied geschüttelt. Eine schöne und erlebnisreiche Fahrt ist zu Ende.

 

Ausgedacht und verfasst von Volker Zimny im Mai 2002.