Fahrtenbericht 23. WTR

23. WESER-TIDENRALLYE

27-05-2006

Allein im Faltboot Zweier

Die Tidenrallye findet inzwischen nur noch alle zwei Jahre statt, und die Strecke ist von ursprünglich 56 auf 44 Kilometer reduziert worden. Sie ist deshalb eine so besondere Veranstaltung, weil als Antrieb einzig Muskelkraft zulässig ist (Schirmsegeln verboten) und mit der Tide, in diesem Fall dem auflaufenden Wasser, gefahren wird – man muss also bei Hochwasser das Ziel erreicht haben, wenn man nicht die letzten Meter oder gar Kilometer gegen den einsetzenden Ebbstrom fahren will. Großgewässerrallyes werden von einigen Landeskanuverbänden ausgeschrieben, aber bei keiner anderen geht es so sehr darum, pünktlich anzukommen. Die vom Sommer bis gegen Ende des Winters vorherrschenden Winde aus nordwestlicher Richtung haben vor Pfingsten meist noch nicht eingesetzt; es kann also davon ausgegangen werden, dass gegen um Süd drehende Winde gefahren werden muss. „Wenn der Wind bloß die Hälfte von dem bremst, was die Tide schiebt, ist es ein gutes Jahr“, habe ich im Vorfeld einige „alte Hasen“ sagen hören.

jan 23 b1Mehr als zwanzig Jahre habe ich gewartet, bis Freizeit, Boot und Mitpaddler für die Teilnahme an der Tiderallye passend vorhanden waren, und jetzt ist es soweit: ich habe meinen Freund Ralph und mich angemeldet, und weil wir zu zweit in meinem  Boot JAN (Klepper Blauwal 4) sitzen würden, gleich für die Goldstrecke (44 Kilometer in maximal fünfeinhalb Stunden).

Es kam wie so oft, nämlich anders als gedacht: Ralph's Bandscheiben machten uns anderthalb Wochen vor dem Start den sprichwörtlichen Strich durch die Rechnung. Die kurz darauf in Aussicht gestellte Fahrt in einem Polyzweier mit Marc vom VKB nebenan scheiterte an meiner Hüftbreite; der Sitz war schlicht zu eng. Also rüstete ich JAN wieder in bewährter Weise zum „Einzelfahrer-zweier“ um. Keinen Augenblick habe ich daran gedacht, die Teilnahme abzusagen, denn wer weiß, was in zwei Jahren ist oder mir gesundheitlich noch möglich sein wird? Überlegt habe ich aber, das Boot abzubauen und mit der Eisenbahn nach Nordenham zu fahren. Schließlich blieb ich doch beim ursprünglichen Plan, nach Nordenham zu paddeln und der Käseinsel (Elsflether Sand bei Weser-km 28) wieder einmal einen Besuch zum Übernachten abzustatten.

Anfahrt

Am Himmelfahrtstag legte ich mit dem bepackten Boot am Heimathafen ab und erreichte bei gelegentlichen Schauern und mäßigem Wind aus Südwest meinen Zeltplatz nach 33 Kilometer Fahrt zwei Stunden vor Niedrigwasser.

jan 23 b2Am Abend gab es einen schönen Sonnenuntergang zu bewundern und in der Nacht blieb es trocken, wurde aber ziemlich kalt. Da bewährte sich die Decke aus dem Faltbootsitz wieder einmal. Morgens konnte ich das Zelt trocken verpacken und die Zeit bis zum Nachmittagshochwasser neben anderem einem Spaziergang, bei dem ich einen anderen Paddler mit gleichem Ziel traf, widmen. Uns einander vorzustellen, ergab sich nicht, und so wurde er rückblickend „Herr Freitag“.

Bis zur Hafeneinfahrt Großensiel brauchte ich bei sehr wenig Wind schräg von hinten für 29 Kilometer drei Stunden. Das stimmte mich zuversichtlich, aber als ich auf der Höhe des WSV Nordenham ankam, war das Wasser weg. Unüberwindliche schwarze Schlickbänke versperrten den Weg zum Ufer, auf dem ich reichlich Zelte und Boote um das Vereinsheim gruppiert sehen konnte. Mit dem Fernglas war vom Wasser aus die benachbarte Hafeneinfahrt von Großensiel nicht als passierbar zu erkennen -ein Segler saß schon fest-, weiter stromab gab es jedoch einen mit einem Steg verbundenen Schwimmponton, den Unionspier. Dort könnte ich anlegen, das Boot entladen, dann hochziehen und auf dem Bootswagen meine gesamte Habe zum Zeltplatz karren – dachte ich.

Ich hatte schon Kurs auf den Anleger genommen, als ihn ein größeres Motorboot ebenfalls ansteuerte und dort festmachte. Daraus würde also nichts, aber unmittelbar dahinter gab es den Schwimmsteg der Ruderer, und oben am Bootshaus herrschte geschäftiges Treiben. Ich legte an, machte das Boot an einer Klampe fest und kletterte auf allen vieren das erste steile Stück des Anlegers hinauf. Die Ruderer waren echte Sportskameraden, boten Hilfe beim Bootstransport an. Ich kletterte wieder herunter, legte mich auf den Anleger, räumte so das Boot aus und zog es herauf. Dann kam ein Ruderer, fasste den Süllrand, und ruckzuck war das Boot erst oben, dann auf dem Rasen. Im zweiten Durchgang holten wir das Gepäck und dann begann die Schieberei.

Wer zu spät kommt, den bestraft der Schlick vor dem WSV Nordenham

Auf dem für Touristen, Schulklassen und Hobbyastronomen eingerichteten Planetenlehrpfad. Da lag dann das Nachdenken über den Himmel in der anderen Dimension schon nahe, und so kamen mir, wie häufig bei solchen Gelegenheiten, Zweifel, ob denn in der Bibel tatsächlich alles berichtet wird, was sich vor so langer Zeit zugetragen hat, oder das eine oder andere wesentliche Ereignis unerwähnt geblieben ist.

jan 23 b3Ich kann mir gut vorstellen, dass das auch für den letzten Schöpfungstag zutrifft. Da saßen nämlich, wie ich fest glaube, der liebe Gott und der Teufel zusammen und beratschlagten, wie denn die Sünden der Menschen am wirkungsvollsten zu bestrafen wären. Bei den sieben Todsünden war man sich rasch einig: Höllenfeuer, glühende Zangen und so weiter. Dem Teufel war das aber noch nicht genug; für kleinere Verfehlungen müsste es doch auch die passenden Strafen geben, meinte er und schlug das eine oder andere vor. Immer wieder schüttelte der liebe Gott ablehnend den Kopf, so dass der Teufel richtig ins Grübeln kam. Dann hellte sich seine Miene plötzlich auf und er sagte zum lieben Gott, er hätte da noch was: Paddeln. Gott lachte ihn aus. Das, meinte er, sei doch als Strafe völlig ungeeignet – soweit er bis jetzt sehen könnte, wären die Menschen, die sich ihm verschrieben, zwar blöd hätten aber Freude daran.

Wenn jedoch der Teufel darauf bestünde, sollte er doch mal deutlicher werden. Da tippte der mit seinem rußigen Finger auf die schon kurz nach Hochwasser frei liegenden Bänke vor Nordenham (seitdem sind sie schwarz), grinste und sagte: „Stromab müssen sie hierher paddeln -der Finger bewegte sich ein winziges Stück landeinwärts (da steht jetzt das Vereinsheim des WSV)-  und wenn sie da nur drei Stunden nach Hochwasser ankommen, haben wir was zu lachen.“ „Aber warum sollten die Menschen das wollen?“ fragte der liebe Gott. „Lasst mich nur machen, Herr, mir fällt da schon was ein“, sagte der Teufel. Das war, wie gesagt, lange vor der Erfindung des Automobils, und so trifft's nur noch verbohrte Anachronisten wie Herrn Freitag oder mich. Ich bin sicher, die beiden da oben hatten auch diesmal ihren Spaß.

jan 23 b4Outdoorleben

Mit diesen Gedanken und nach etlichen kleinen Pausen kam ich erschöpft, aber guter Dinge beim Meldebüro an und nahm meinen Zulassungsbescheid im verschlossenen Umschlag entgegen. Dann wurde es gleich noch mal amtlich: ich musste mich eintragen und durfte auch gleich die Zeltplatzgebühr bezahlen. Beiläufig erfuhr ich, dass bisher 250 Anmeldungen vorlägen. Diese Zeit nutzte der Himmel, um wieder einmal seine Schleusen zu öffnen: es regnete nicht stark, aber gründlich; es war abzusehen, dass es so bald nicht aufhören würde. Also machte ich zunächst einen Spaziergang über den Zeltplatz. Da gab es einiges zu sehen: Zelte aller Art, sogar den Klassiker „Doppelnest“ mit Rolltisch davor, etliche Variationen von Tarpaufstellarten und natürlich Boote über Boote. Dann ging ich weiter zum morgigen Startplatz, um zu gucken, was mich dort erwarten würde.

Auf dem Rückweg legte der Regen eine Verschnaufpause ein, um dann mit neuer Kraft weiter zu nässen. Bevor es dunkel wurde, wollte ich aber mein Zelt aufgebaut haben, und so tat ich’s im Regen. Nach dem Duschen, Umziehen, zwei großen Spezis, einigen belegten Broten und drei Riegeln Kinderschokolade im Vereinsheim ging ich schlafen.

jan 23 b5Morgens regnete es noch immer, erst gegen neun Uhr hörte es auf. Bis dahin hatte ich im Vereinsheim gefrühstückt (Spaghetteria Bolognese) und gepackt. Wenig später schob ich, wie so viele andere auch, das Boot zum Seglerhafen Großensiel. Dort kam noch Auto auf Auto an, alle mit Booten auf den Dächern. Geschäftiges Treiben überall, dazu Schlagermusik, leider gar nicht maritim, aus dem Lautsprecherwagen der Rallyeleitung.

Junge Paare bewähren sich

Erneutes umpacken, dann wollte ich das Boot zu Wasser bringen. Gerade jetzt war der Steg aber von einem reichlich langen Seekajakzweier blockiert. Dazu gehörte ein junges Paar, unübersehbar verliebt. Vielleicht weil es ein besonders schönes Boot war, gab es viele helfende Hände, bis das Boot im Wasser war. Der Eigner war derweil damit beschäftigt, seiner Partnerin die Rettungsweste anzulegen. Noch ein Küsschen, dann saßen beide im Boot, und ich konnte meines ins Wasser bringen. Wenig später kamen wir nebeneinander zu liegen. Die junge Frau sprach mich gleich an: „Oh, ein Faltboot! So eines hatte mein Onkel auch. Der ist leider schon zehn Jahre tot. Damit hat er jeden Urlaub verbracht und mir, wenn er Weihnachten zu Besuch kam, immer die Fotos gezeigt. Ich wollte so gern mal mit, aber meine Mutter hat's verboten. Dass ich heute hier bin, weiß sie zwar, aber“, sagte sie lachend, „was wir hier machen, nicht.“ Dann erfuhr ich noch, dass sie noch nie gepaddelt hätte, aber schon probegesessen, beide aus Düsseldorf kämen, einander erst vor genau vier Wochen kennen gelernt, die Nacht in Bremerhaven im Hotel verbracht, heute morgen die Fähre genommen hätten, und schließlich, dass der (stumme?) Eigner seit seiner Kindheit Paddler wäre. Und aufregend wäre das alles hier! Dass es so etwas gäbe, hätte sie sich nie träumen lassen. Ich muss sie wohl sehr stark an ihren Onkel erinnert haben. Boot auf Boot kam ins Wasser, wir mussten Platz machen, rückten auseinander. Später hat sie mir noch einmal zugewinkt.jan 23 b6

Im Hafenbecken tummelten sich gegen 10.30Uhr wohl schon hundert Boote; etwa die Hälfte Seekajak-Einer, der Rest verteilte sich auf Zweier, einige wenige klassische Wanderboote,  einen Holzcanadier und fünf Faltboote (1 Pouch RZ 85 aus Radebeul (!), 1 Klepper T9 und 1 Aerius-Einer unbekannter Herkunft, ein Wayland-Einer (Aeriuskopie) aus Verden und mein Blauwal). Mit großem Hallo wurden dann ein Mannschaftscanadier und zwei Outrigger zu Wasser gebracht. Es wurde immer voller, ich verließ den Hafen, wartete am Ausgang zur Weser auf das Startsignal. Dort lagen schon andere Boote. Viele Zweier waren mit älteren Paaren besetzt, darunter Bekannte, von denen ich weiß, dass sie die siebzig längst überschritten haben. Erstaunlich, dachte ich einen Augenblick, aber dann war klar: wenn sie die Tidenrallye erfolgreich mitfuhren, konnten sie sicher sein, noch nicht zum sprichwörtlichen „alten Eisen“ zu gehören.

Alte Eisen rosten nicht (so schnell)

Am Steg war mir ein älteres Ehepaar aufgefallen, dem von jungen Menschen ins Boot geholfen wurde. Sie fuhren einen schnittigen seetüchtigen Renner (Schwedenzweier) und hatten Carbonpaddel mit sehr schmalen Blättern. Wenig später lag das Boot neben meinem und die Frau sprach mich auf mein Boot an. So kamen wir ins Plaudern. Sie kämen aus der Nähe von Frankfurt, berichtete sie, und anlässlich des Beginns des Ruhestands hätten sie sich dieses Boot eigens für die Tidenrallyes, an denen sie von Anfang an teilgenommen hätten, angeschafft. Sonst führen sie Faltboot, einen Pionier-Großzweier, der sei so wunderbar bequem. „Aber wenn wir den hier fahren, könnte es bei etwas mehr Wind mit der Kraft schon mal knapp werden, und dann sitzen wir da. So bringen uns die Enkel, denen das Paddeln hier zu anstrengend und zu gefährlich scheint, mit dem Auto her und holen uns am Silberziel wieder ab. Solange mein Mann blond war, sind wir immer auf Gold gefahren, aber jetzt sind die Haare silbern, und darum geht’s bloß noch bis Berne.“ (Silberziel) Mit gegenseitigen besten Wünschen für gute Fahrt verabschiedeten wir uns. Unmittelbar vor dem Start gab es letzte Nachrichten bezüglich der Teilnehmerzahl: mit den Nachmeldungen am Morgen waren es 330 geworden, also reichlich zweihundert Boote!

Nach dem Startschuss fliegen die Paddel durchs Wasser

jan 23 b7Dann kommt pünktlich um 11.00 Uhr der Startschuss und mit ihm für etwa eine Stunde immer mal wieder die Sonne zwischen den Wolken hindurch. Nun gibt es reichlich was zu sehen: Paddel fliegen durchs Wasser, Boote werden ruckartig beschleunigt – die Mitglieder der Kanurenngemeinschaft Bremen nutzen die Chance zu einem ganz eigenen Wettstreit. Deutlich langsamer, aber weitaus flotter als ich, folgt eine bunte Mischung aus Wander- und Tourenfahrern, Männern und Frauen, jungen und alten. Außer den Begleitbooten ist anfangs kein anderes Schiff in Sicht, und so halten sich nur wenige an den vorgeschriebenen Kurs rechts von den grünen Fahrwassertonnen. Zu fünft oder gar siebt nebeneinander wird flott gepaddelt und sich dabei auch noch unterhalten. Nach einer Weile kommt von den  Begleitbooten dann aber doch die Order, sich an den Kurs zu halten, und ab da sind nur noch vereinzelt Boote im betonnten Fahrwasser zu sehen.

Der Wind kommt schräg von vorn, ist zunächst nur schwach. Die Sonne lässt wieder und wieder für Augenblicke die Weser mit den vielen bunten Tupfen darauf -denn dazu sind die Paddler mit ihren roten oder blauen Paddeljacken und den orange leuchtenden Rettungswesten für mich geworden- glitzern, gerade so, als freute sie sich darüber. Paddler bis zum Horizont – ein schönes Bild. Dann kommen die ersten großen Frachter und deren Wellen lassen die Tupfen lustig tanzen. Einige Kilometer fährt ein Zweier neben mir her; vorne ein Junge von elf Jahren, zum ersten Mal dabei, hinten einer von fünfzehn, der schon drei Tidenrallyes mitgefahren hatte. Die Zeit vergeht im Fluge.

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Mit 9 ½ Stundenkilometer die Weser aufwärts

Kurz hinter Brake fahren die ersten ans Ufer, vertreten sich die Beine oder folgen anderen dringenden Bedürfnissen. Mit ihren so viel schlankeren und schnelleren Booten holen sie uns leicht wieder ein. Als die großen Kilometrierungsschilder mit schwarzer Schrift auf weißem Grund am Ufer in Sicht kommen, gucke ich erstmals zur Uhr und rechne meine Durchschnittsgeschwindigkeit aus: neuneinhalb Kilometer in der Stunde! Das ist mehr als ich erwartet hatte, und ich glaube sicher, in der vorgesehenen Zeit das Ziel bei TURA erreichen zu können. Dann aber briest es kräftig auf, Regen peitscht übers Wasser, ich werde merklich gebremst. Da hilft nur, mehr Druck auf die Paddelblätter zu geben, und damit das gelingt, werden die ersten Müsliriegel ausgepackt und Wasser getrunken. Der Erfolg ist deutlich: das benötigte Mehr an Kraft fliegt mir sozusagen zu.

jan 23 b9Nach etwa einer Stunde hört der Regen auf und der Wind beginnt auf West zu drehen. Hin und wieder sehe ich zu den Begleitbooten hinüber. Alle führen neben dem Vereinsstander die gelbe Signalflagge; das „Besenboot“, das zusätzlich einen Besen am Mast führt, und so das Ende des Feldes markiert, entdecke ich zu keinem Zeitpunkt.

Am Silberziel in Berne steigen viele aus, laden die Boote auf bereitstehende Autos. Ich aber will weiter, will das Goldziel erreichen und mir die verdiente Medaille umhängen (lassen?) können. Um 15.30 erreiche ich die Lesummündung und verliere ganze sieben Minuten, weil zuerst die Fähre, und dann noch ein Frachter vorbeizulassen ist.

Die neuen Kap-Hoorniers

jan 23 b10Die letzten fünf Kilometer verplaudere ich bei zügiger Fahrt mit Reisebekanntschaften von der letzten Elbetour und um 16.20 Uhr erreichen wir TURA. Dort herrscht Volksfeststimmung. Nicht ohne Grund, wie ich meine, denn die hinter uns liegende Tour war trotz der als moderat bezeichneten Wetterbedingungen keine „Kaffeefahrt“. Dennoch gibt es jetzt eben dieses Getränk und Kuchen, Bier und Würstchen, Aufkleber, Urkunden und Medaillen. Meine erste Tidenrallye -und das allein im Zweier- ist erfolgreich zuende gebracht. Ich erinnere mich an vor Jahren einmal Gehörtes: „die Tidenrallye ist für Paddler heutzutage etwa das, was die Kap-Hoorn-Umrundung für die Besatzungen der Segelschiffe früherer Jahrhunderte war.“ Etwas vollmundig, wie ich finde; richtig ist jedoch: wer sie mitgefahren ist, hat das Gefühl, jetzt richtig dazuzugehören.

Die Tidenrallye bietet, wie sonst wohl kaum eine andere Veranstaltung, Viererlei, so mein persönlichres Resümee: „Rennfahrern“ die Möglichkeit, sich mal richtig auszutoben, jungen Menschen (und Paaren) die, sich in Zelt und Boot, Wind und Regen zu bewähren, älteren Menschen, wie schon erwähnt, die, sich noch nicht zum „alten Eisen“ zu rechnen, und Urlaubswanderfahrern die, herauszufinden, was von der Kondition des Vorjahres über den Winter gerettet wurde. Und allem Anschein nach macht sie, in Anbetracht der vielen älteren TeilnehmerInnen, auf charmante Weise süchtig. Bei diesen Gedanken fühle ich, inzwischen zuhause im Bett, die Bootsbewegungen noch immer, bin glücklich, inzwischen für Stolz aber zu müde. Wissen möchte ich bloß noch, wie lange ich mit einem Mitpaddler, oder allein im schmaleren Boot gebraucht hätte?jan 23 b11

Vielleicht kann ich das ja 2008 herausfinden.

Peter-Josef SchünemAnN  (JAN)
Fesenfeld 72, 28203 Bremen

(Bilder von Brigitte Born - S4u; Werner Born- S2u; Norbert Köhler - S2o+S5o+u; Ronald Schnor - S1o+S3+S4o+S5m; Volker Zimny - S1u)