Die 27. Weser-Tidenrallye im kurzen Rückblick

Zu Beginn einige Worte zum Vertrauten bei dieser Weser-Tidenrallye: Alles hat wieder einmal dank des unermüdlichen Einsatzes des Organisations- und der Helferteams am Start wie auch an den drei Zielen reibungslos funktioniert. DLRG, Wasserschutzpolizeien und die zahlreichen Begleitboote konnten sich aufs Zugucken beschränken. Kleine Zwischenfälle, etwa die Entdeckung des Magnetismus von Fahrwassertonnen durch die Besatzung des aus Frankfurt stammenden Auslegerbootes oder die der plötzlich zu kurz gewordenen Stege am Start und am Goldziel, wurden von den „Opfern“ mit Humor genommen.

Die dieses Mal ehrenamtlich-professionell betriebene Medienarbeit hatte offenbar in größerem Umfang als sonst Neugier zu wecken verstanden. Für internationale Beteiligung sorgten neben anderen ein Österreicher (im Einer-Faltboot aus Pouch) und ein Schweizer vom Bodensee.

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Neu: Das Platinziel nach 59 Kilometern

Als Dreingabe mag das schöne Wetter mit Sonnenschein bei Wind aus Nordwest noch etliche zuvor Unentschlossene nach Nordenham gelockt haben – kurzum, es war wieder, nicht zuletzt wegen der 120 Helferinnen und Helfer, eine rundherum gelungene Veranstaltung. Diesmal mit 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmern am Start, mehrheitlich Kanuten – aber die Ruderer sollen keinesfalls unerwähnt bleiben, denn sie fuhren zum Teil bis zum Platinziel.

„Das Platinziel einzurichten war, wie die unerwartet große Zahl der dort angekommenen Teilnehmerinnen und Teilnehmer beweist, eine gute Entscheidung“, freut sich Norbert Köhler, Präsident des Landes-Kanu-Verbands Bremen und Chef des Organisationsteams der Weser-Tidenrallye. „Die Weser-Tidenrallye hat ihren Ursprung im Kanu-Wandersport“, erläutert er weiter, „und da zeichnen sich wegen des gesellschaftlichen Wandels deutliche strukturelle Veränderungen ab. Insbesondere bei den jüngeren Kanu-Freizeitsportlern ist in den letzten Jahren ein höherer sportlicher Anspruch zu beobachten, und dem haben wir uns mit der Einrichtung des Platinziels gestellt. Aber auch damit“, betont er, „bleibt die Tidenrallye, was sie seit jeher ist: die Wettfahrt mit dem Gezeitenstrom.“

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Das Platinziel bei den KanuSport-Freunden (KSF) an der Weser

Jubiläumsfahrt der Auslegerboote

Für das Silberziel nach 33 Kilometern entschieden sich 70 Kanuten, am Goldziel nach 44 Kilometern wurden 250 gezählt, und am Platinziel nach 59 Kilometern trafen 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein. Dabei war auch die gesamte Flotte der Auslegerboote. Ein eigens zu diesem Anlass zusammengebauter und festlich geschmückter Zehner, ein Sechser, ein Vierer und ein Einer feierten mit der Fahrt zum Platinziel zugleich ein Jubiläum: Diese aus der Südsee stammenden, hochseetüchtigen Kanus nahmen zum zehnten Mal an der Weser-Tidenrallye teil.

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Die Teams vom Kanu-Verein Unterweser Bremerhaven (links) und vom Frankfurter Ruder- und Kanusportverein Sachsenhausen 1898 (unten) am Platinziel zwischen Weser-Stadion und Weserwehr.


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Premieren der besonderen Art

Premiere hatten bei der 27. Weser-Tidenrallye einige bemerkenswerte Boote. Darunter auch das älteste Boot am Start (Foto unten): ein 82 Jahre alter Kette-Sport-Einer, der vor etlichen Jahren eine neue Haut bekommen hatte, aber im Übrigen in allen Teilen im Originalzustand erhalten ist.

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Man beachte die Holzschuhe auf dem Achterdeck – sie sind nicht angebunden!


Ebenfalls zum ersten Mal dabei waren mehrere, in Leistenbauweise handwerklich hergestellte Kajaks. Ein Zweier mit modernstem, auf Schnelligkeit angelegtem Riss, ein weiterer, für Wanderfahrten mit Gepäck konstruierter, sowie ein Einer im klassischen Stil.

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An die Bremer Kanadier-Tradition des „segle, wenn Du kannst, paddle, wenn Du musst“ knüpfte ein moderner, mit einem Seitenschwert versehener Kanadier an. Und weil ein solches Boot immer den Vortrieb erhaltende Steuerschläge braucht, war die Medaille am Goldziel redlich verdient.

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Text: Jan Schünemann
Fotos: Sabine Nollmann, Dieter Schlack, Uwe Schmickt, Daniel Wandersleb