26. WTR "Petrus hat mitgepaddelt"

  • „Petrus hat mitgepaddelt“

    Bremer Kanupräsident freut sch bei Tidenrallye übers Wetter und 320 Teilnehmer

  • 320 Teilnehmer ließen es sich auch in diesem Jahr nicht nehmen, bei der Tidenrallye dabei zu sein. Die Großveranstaltung ist einerseits ein Familienfest, bedeutet andererseits aber auch eine sportliche Herausforderung für jedes Alter.
  • VON HEINZ FRICKEWK 22.05.2012 Seite 26
  • Bremen. Zum Kanusport kam er erst in einem Alter, in dem viele den Sport schon aufgegeben haben. „Ich war 60 Jahre alt und wurde pensioniert, da hat mich mein Kollege Bernd zu den Kanuten mitgenommen“, erzählt Horst Pohl aus Osterholz-Scharmbeck. Das war vor 16 Jahren, seither ist er Paddler aus Leidenschaft. Und ein guter dazu. Das Ziel der 26. Tidenrallye an der Lesum erreichte der 76-Jährige nach 44 Kilometern und rund viereinhalb Stunden – das war immerhin noch im hinteren Mittelfeld der 320 Teilnehmer dieser größten Breitensportveranstaltung des deutschen Kanu-Verbandes.
  • Der frühere Berufsschullehrer Horst Pohl war vielleicht das auffälligste Beispiel dafür, dass die Tidenrallye, diese alle zwei Jahre stattfindende Großveranstaltung des Bremer Kanuverbandes, gleichzeitig Herausforderung und Spaß für Kanuten jeden Alters ist. Es ist aber auch ein Familienfest, deutlich sichtbar schon auf der Wiese des Tura-Vereinsheims an der Lesum, das traditionell „Goldziel“ ist. Dort parken in den Tagen vorher schon etliche Wohnmobile, dort stehen Autos mit Nummernschildern aus fast ganz Deutschland. Zum Beispiel das Wohnmobil von Hermann Thiebes aus Hamm. Der ist auch DKV-Vizepräsident, verantwortlich für Freizeitsport im deutschen Kanu-Verband. Mit Ehefrau und Hund „Amboss“ paddelte der 68-jährige Thiebes auch von Nordenham bis nach Lesum, war hinterher voll des Lobes: „Es gibt nichts Vergleichbares.“ Allerdings war auch etwas Glück im Spiel. „Petrus hat mitgepaddelt“, freute sich Norbert Köhler, Präsident der Bremer Kanuten und gleichzeitig Wettfahrt-Leiter. Denn was am Sonnabend bei warmem Wetter und leichtem Wind vor allem Spaß machte, wäre in den Tagen zuvor noch kaum in ähnlicher Form möglich gewesen. Etwa am Mittwoch, in dem traditionell eine Vorausfahrt in Richtung Nordenham stattfindet. „Ich musste sie mit dem Wagen zurückholen, es ging bei Sturm und Kälte nicht mehr weiter und die geplante Party fiel ins Wasser“, erzählt Lutz Steenken, der Abteilungsleiter der Tura-Kanuten. Und auch Werner und Brigitte Born mussten am Mittwoch passen: „Es wurde richtig gefährlich bei den Böen und den Wellen.“
  • Doch diesmal gab es keine Probleme für das Ehepaar Born, das eine Legende im Bremer Kanusport ist. Werner Born, jahrzehntelang Präsident des Landesverbandes, schaffte mit Ehefrau Brigitte zum 26. Mal das „Goldziel“ an der Lesum – bei der 26. Durchführung der Tidenrallye. Obwohl es mit „Gold“ diesmal knapp wurde für den 72-Jährigen und seine Ehefrau: „Wir waren um 13.52 Uhr nach 33 Kilometern am Silberziel in Rönnebeck. Acht Minuten später, und man hätte uns aus dem Rennen genommen.“ Denn wer zu langsam ist bei der Tidenrallye, der bekommt Schwierigkeiten: Dann hilft die Tide, die mit fünf Stundenkilometern die Boote „bergauf“ unterstützt, nicht mehr, dann fließt das Wasser wieder Richtung Meer und es ist praktisch unmöglich, dagegen anzukommen. 
  • Die Schnellsten hatten mit der Tide keine Probleme. Schon nach 3:17 Stunden wurde der „Outrigger“ aus Bremerhaven am Tura-Vereinsheim gezeitet, das war keine Überraschung. Denn die sechs Bremerhavener (zwei Mädchen, vier Jungen) vom Kanuverein Unterweser sind mit ihrem Ausleger-Boot, das einem Katamaran ähnelt, praktisch konkurrenzlos. Mit rund 14 Stundenkilometern stürmten sie dem Feld davon, sie sind auch etwas mehr als Hobby-Kanuten: „Wir fahren in ganz Deutschland auf Regatten, wir sind viel unterwegs“, erzählte ihr Kapitän. Noch einmal zu den Senioren im Feld der 320 Teilnehmer, die deutlich machen, dass sie nicht nur für die Tidenrallye ins Kanu steigen. Horst Pohl trainiert jede Woche viele Stunden auf der Hamme. Das Ehepaar Born paddelte 2011 von Ingolstadt an der Donau bis zum Schwarzen Meer, über 2500 Kilometer und elf Wochen. In diesem Jahr geht es durch Kroatien.
  • © Copyright Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 22.05.2012