26. WTR Tidenrallye lockt 300 Sportler

    • Quelle: Die Norddeutsche Seite 2 vom 21.05.2012
      • Tidenrallye lockt 300 Sportler

        Schnellstes Boot ist das Auslegerkanu „Namatanai“ / Jochen Ebner gewinnt im Einer

        NOR 21.05.2012 Seite 2

    • Fast 300 Wassersportler saßen in ihren Booten, als in Nordenham der Startschuss zur 26. Weser-Tidenrallye des Landes-Kanu-Verbandes Bremen fiel. Mit dem Flutstrom ging es Richtung Bremen-Nord. Dabei hatten die Aktiven die Wahl, die Fahrt über den Fluss beim Silberziel nach 33 Kilometern beim Kanu-Club Rönnebeck zu beenden oder weitere elf Kilometer bis zum Anleger der Tura-Kanu-Sportabteilung zurückzulegen. Das Wetter spielte mit, und deshalb schaffte es der größte Teil der Sportler bis zum Goldziel an der Lesum.
    • VON SABINE LANGE
    • Bremen-Nord. Die Sonnenbrille vom Spritzwasser getrübt, die Kleidung verschwitzt und klamm, der Körper ausgelaugt von einer Ausdauerleistung über 44 Flusskilometer und ein Lächeln im Gesicht. So legten die meisten Kanuten und einige Ruderer nach der 26. Weser-Tidenrallye beim Goldziel am Steg der Tura-Kanusportabteilung an. Um Platzierungen und gute Zeiten ging es bei der Großveranstaltung, bei der ein Helferteam von über 100 Menschen für Sicherheit auf dem Wasser und gutes Gelingen an Land sorgte, nicht. Im Mittelpunkt stand die Devise: „Dabei sein ist alles“. Dennoch sahen etliche Teilnehmer eine sportliche Herausforderung darin, die Strecke von Nordenham bis nach Lesum möglichst schnell zu überwinden. 
    • Einer dieser Ehrgeizigen war Valentin Dehs, der mit 18 Jahren zu den Jüngsten im Starterfeld gehörte. Das Tura-Mitglied paddelte im Einer und war nach vier Stunden am Ziel. „Für mich ist eine gute Zeit wichtig. Ich habe vorher dafür trainiert“, verriet der Schüler nach der Tour. Gefordert wurde der Paddler besonders zu Beginn der Rallye. Da habe es Gegenwind und starke Böen sowie teilweise heftigen Wellengang gegeben. Am besten habe es ihm auf der Lesum gefallen. „Da freut man sich, wieder zu Hause zu sein“, sagte der Nordbremer. Und weil das Wasser im Weserzufluss ruhig war, legte der Sportler ab dem Sperrwerk noch einmal einen strammen Endspurt ein.
    • Den schnellsten Einer paddelte aber Jochen Ebner aus Eckernförde. Er landete mit seinem grauen, 5,50 Meter langen Seekajak nach 3:50 Stunden am Tura-Steg an. Für ihn hätte es auf der 44-Kilometer-Reise gern abenteuerlicher zugehen können. „Mehr Wellen von vorne und mehr Wasser im Gesicht, das hätte mir gefallen. So war es leider nur am Anfang der Strecke“, berichtete der 57-Jährige vom Schleswiger Kanuclub schmunzelnd.
    • „Nie wieder“
      Diese Meinung teilten nicht viele der Rallyefahrer. Fix und fertig kam beispielsweise Kornelia Lucht an Land. „Nie wieder!“, war ihre erste Reaktion nach der körperlichen Anstrengung. Die Turanerin, die ihre Meinung später revidierte, war mit ihrem Mann Heiko im Zweier-Kajak unterwegs. Sie hatte das Gefühl, dass trotz des auflaufenden Wassers und der Muskelkraft von zwei Menschen der nötige Schub fehlte. Als schönsten Teil der Strecke empfand das Ehepaar die ersten 16 Kilometer. „Da hat die Weser noch Weite und teilweise herrliche Strände“, schwärmte Heiko Lucht. Von der Weser fasziniert war in anderer Weise auch der Vizepräsident Freizeitsport des Deutschen Kanu-Verbandes, Hermann Thiebes. „Beim Kanusport große Schiffe zu sehen, das ist für mich, der sonst nur auf Binnengewässern paddelt, sehr beeindruckend“, gestand der Mann aus Hamm. Er nahm nebst Ehefrau Susanne Hildebrandt und Bootshund „Amboss“ zum ersten Mal an der Traditionsveranstaltung teil und bezeichnete sie als einmalig: „Die ganze Strecke ist eine Seeschifffahrtsstraße. Außerdem sind die Teilnehmer von Ebbe und Flut abhängig. Wer da zu langsam ist, hat Pech gehabt.“
    • Die raue Weser bei Nordenham war genau das Richtige für die schnellste Mannschaft der 26. Tidenrallye. Eine sechsköpfige Crew des Kanuvereins Unterweser paddelte die „Namatanai“, die durch ihren Ausleger stabil und schnell durch‘s Wasser glitt. Sie bewältigte die Gold-Distanz mit ihrem ungewöhnlichen Auslegerkanu in 3:17 Stunden. Sie seien über das Drachenbootfahren auf diesen Schiffstyp, der in der Südsee beheimatet ist, gekommen, berichteten die Wassersportler. „Wir sind damit sogar schon von Cuxhaven nach Helgoland gefahren“, erzählte Teammitglied Olaf Knoke. Die Bremerhavener starteten bereits zum vierten Mal bei der Tiden-Rallye. „Das liegt für uns direkt vor der Haustür. Das Ziel hat genau die richtige Entfernung“, erklärte Schlagfrau Sonja Ficke. 
    • Herzliche Gastfreundschaft genossen auch die 40 Wassersportler, für die die Weser-Tidenrallye nach 33 Kilometern beim Kanu-Club Rönnebeck beendet war. 
    • © Copyright Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 21.05.2012