26. WTR Faszination Tidenrallye

Die 26. zieht 320 Kanuten nach Nordenham

wtr-2012-1>Am 19. Mai 2012 starteten 320 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 26. Weser-Tidenrallye um 10 Uhr 15 vom Sporthafen Nordenham-Großensiel bei Sonnenschein und moderatem Wind von anfänglich vier Windstärken aus Südwest. In Brake wurden um 12.00 Uhr drei Windstärken aus Süd gemessen, am Silberziel nach 33 Kilometern waren’s um 14.00 Uhr zwei, und auf der Lesum blies der Wind wieder mit drei Beaufort, diesmal aus Südost. 

Diese unerwartet angenehmen Bedingungen ließen denn auch bloß rund fünfzig Kanuten beim Kanu-Club Rönnebeck die Fahrt beenden, wo sie mit Applaus, Medaillen, so gewünscht, Kaffee und Kuchen von den dortigen Helfern empfangen wurden. Schnellstes Boot auf der Goldstrecke war mit 3 Stunden und 17 Minuten der Outrigger vom Kanu-Verein Unterweser aus Bremerhaven mit eingespielter Sechserbesatzung, als letztes erreichte mein solo gefahrenes Zweierfaltboot nach exakt fünf Stunden und vierzig Minuten den Anleger von TURA an der Lesum. Auch dort sorgte ein engagiertes Helferteam für Medaillenausgabe, Beurkundung, und nicht zuletzt das leibliche Wohl. Zehn Teilnehmer gaben unterwegs auf.

Die Beteiligung am groß angelegten Rahmenprogramm mit Anfahrt, Vorfahrt zum Fischessen in Brake, Stadtführung und Museumsbesuch in Nordenham sowie anschließender dreitägiger Nachfahrt nach Waakhausen/Worpswede war ebenfalls erfreulich hoch.<

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Soweit die knappe Zusammenfassung. Ergänzend möchte ich hinzufügen:

Die Weser-Tidenrallye ist eine Veranstaltung für Breitensportler, und damit spricht sie vor allem Wanderfahrer an. Deren bevorzugtes Fahrzeug ist längst der Feststoffkajak, und darum ist es besonders erfreulich, seit der Wiederaufnahme der Weser-Tidenrallye im Jahre 2000 erstmals wieder mehr als vier Faltboote am Start zu sehen. Neun, um genau zu sein. Sieben herkömmliche mit hölzernem Gerüst und Baumwolldeck –zwei davon Zweier, einer solo gefahren–, sowie zwei moderne, Seekajaks ähnelnde Konstruktionen mit Aluminiumrohrgerüst und Synthetikdeck. Das ist ein beachtlicher Zuwachs, denn zur gleichen Zeit findet ein Faltboottreffen in Schwarz (Mecklenburg-Vorpommern) statt!

Dreißig zur zweitägigen Anfahrt ab TURA und zwanzig für die Nachfahrt gemeldete Kanutinnen und Kanuten weisen ebenfalls in Richtung Kanuwandersport: die mit komplettem Fahrtengepäck reisenden und schon oft totgesagten Wanderfahrer behaupten sich mit zunehmender Tendenz bei der Weser-Tidenrallye. Auch der vor dem traditionellen Fischessen in Brake angesetzte Museumsbesuch passt in dieses Bild. 

Zwar musste die Anfahrt wegen Starkwinds

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 mit bis zu sieben Beaufort aus Nordwest in Vegesack abgebrochen werden, aber an der zuvor getroffenen Aussage ändert das nichts. Dass dennoch alle sicher und problemlos auf dem Landweg nach Nordenham gekommen sind, ist sowohl  der spontan organisierten gegenseitigen Hilfe, als auch dem beispielhaften Einsatz des Ersten Vorsitzenden der Kanu-Abteilung von TURA zu verdanken.

Kanutouristik, so die moderne Übersetzung für „Kanu-Wandersport“, mit den Anteilen Sport, Kultur und Sozialtraining hat offenbar nicht bloß Bestand, sondern Zukunft.

                                                           Jan

 

Zum Schluss noch etwas Aufgeschnapptes

 

-            bei TURA, Anfahrt:

„Das Wetter entspricht nicht meinem Wohlfühlfaktor auf dem Wasser“

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          in Brake:

„Die Fahrt durch den Nebenarm war eine prima Idee.“ (gemeint: Schweiburg)

„Dass das Aussteigen am Steg so gut geklappt hat, hätte ich nicht gedacht.“

„Allein für den Fisch hat sich die Anreise gelohnt! Bei uns gibt’s solchen Fisch nicht, nicht mal im teuersten Restaurant.“ (Kanuten aus Hessen)

„Fürs Museum ist wieder keine Zeit, schade.“

„Auf der Rückfahrt sahen wir dann sogar einen echten Schweinswal“

 

 

-    in Nordenham:

      „Ihr habt ja ein richtiges Feuer da drinnen!“ (Grillhütte am Sporthafen.)

      „Weiß jemand, wo wir heute noch Bier her kriegen?“

      „So ein Fresko ist ja eine interessante Angelegenheit.“ (Im Museum)

      „Wenn man Bernhard Winter doch fragen könnte, weshalb er das Bild so verändert hat!

        Der muss doch Gründe dafür gehabt haben!“ (Ebenda, gemeint: Hugo Zieger „Der 

        Bruderkuss“, restauriert und verändert von Bernhard Winter)

      „Was müssen die Auftraggeber für Menschen gewesen sein, dass die sich so was ins 

        Wohnzimmer gehängt haben? Das ist doch pervers!“ (Ebenda, „Der Bruderkuss“)   

  „Auf was alles ein Museum achten muss, wenn es etwas ausstellt.

        Darüber denkt doch normalerweise niemand nach.“ (Ebenda)  

      „ Die Zeitungsausstellung hatte ja nun absolut nichts mit Nordenham zu tun.“ (Im Café)

      „Ohne Wilhelm Müller wären wir wahrscheinlich gar nicht hier – unvorstellbar!

        Und was wäre Nordenham ohne die Tidenrallye? Wahrscheinlich irgend so ein Kaff,

        das keiner kennt. “ (Im Café)

  „Sogar in Randgruppen gibt es Außenseiter.“ (Kommentar zur Faltbootgruppe)

 

-    bei TURA, Goldziel:

       „So hab ich mich im ganzen Leben noch nicht angestrengt!“

       „Für Pause unterwegs war aber wenig Zeit.“

       „Nächstes Mal fahr ich mit Dir im Zweier!“

       „Wo gibt’s hier Kaffee?“

       „Wann ist die nächste Tidenrallye?“     

-          in Worpswede:

„Kunst muss man ja nicht unbedingt verstehen, mögen genügt.“  

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