Zur Belohnung ein Sektempfang im Flugzeug

WK 12.8.2015 kBremer Wildwasserkanuten Marcel und Sven Paufler gewinnen bei WM überraschend je eine Gold- und Silbermedaille
12.08.2015

Den ganz großen Wurf hatten sich die Bremer Kanuten Marcel und Sven Paufler vor Beginn der Weltmeisterschaft im Wildwasserrennsport in Bryson City (USA) nicht zugetraut. Bestenfalls hatten sie Platzierungen unter den ersten Fünf anvisiert. Doch es sollte anders kommen: Heimgekehrt ist das Brüderpaar mit jeweils einer Gold- und Silbermedaille. Und wurde dafür zu Hause kräftig gefeiert.

„Es war unglaublich. Mit solch einer Ausbeute haben wir nicht gerechnet“, sagt Marcel Paufler. In jeweils drei Disziplinen gingen die Kanuten des Störtebeker Bremer Paddelvereins auf dem Nantahala-River im Bundesstaat North Carolina auf Medaillenjagd. Während Sven erstmals in einem internationalen Wildwasser-Turnier startete, war es für Marcel bereits die zweite WM-Teilnahme. Anders als vor zwei Jahren in Österreich, war der 20-Jährige diesmal jedoch nicht mehr im Juniorenbereich gemeldet, sondern startete in der U23.

 

 

WK 12.8.2015

„Aufgrund der Resultate in den Wettbewerben zuvor hatte ich keine großen Hoffnungen, ganz vorne zu landen“, sagt Marcel. Doch er sollte sich irren, denn bereits in der ersten Disziplin, dem Classic-Rennen, lag er nach dem ersten Drittel auf Medaillenkurs. Und vor der ersten Zwischenzeit paddelte sich der Bremer sogar auf die Pole-Position. Doch der letzte Streckenabschnitt des drei Kilometer langen Rennens führte das Teilnehmerfeld auf die Sprint-Strecke, und diese liegt Marcel überhaupt nicht: „Als ich da ankam, hatte ich zwei Sekunden Vorsprung. Eigentlich war das zu wenig, denn im Sprint sind die anderen definitiv besser“, sagt er. Doch das Gegenteil war der Fall: Marcel kam nach 11:15 Minuten fünf Sekunden vor dem Zweiten, Maks Franceskin aus Slowenien, ins Ziel.

Sven Paufler paddelte im Junioren-Classic als Zweiter ebenfalls zu einer Medaille. Auch wenn es nicht zu Gold reichte, zeigte sich der 17-Jährige alles andere als enttäuscht: „Gerade wegen des abschließenden Sprintabschnitts bin ich über Silber sogar mehr als froh“, sagt Sven, dem wie seinem Bruder eher die längeren Etappen liegen. So verwunderte es auch nicht, dass die beiden sich in ihrer zweiten Disziplin, dem Sprint-Wettbewerb, nicht für die Finalrunde qualifizierten.

Der letzte Wettkampf führte die Paufler-Brüder erneut auf die Classic-Strecke, wo sie in ihrer Altersklasse jeweils im Teamwettstreit starteten. Angesichts der unerwartet guten Ergebnisse im Einzel gingen die deutschen Boote mit hohen Ambitionen ins Rennen. Und besonders das Junioren-Team um Sven Paufler und seine beiden Mitstreiter wusste zu überzeugen: Mit einem haushohen Vorsprung von 17 Sekunden vor dem zweitplatzierten Boot aus Tschechien paddelte das Trio zu Gold. Keine Überraschung, wie Sven sagt: „Angesichts unserer Resultate im Vorlauf mussten wir einfach gewinnen“. Seinem Bruder war jedoch weniger Glück beschienen: Mit einem Rückstand von 0,6 Sekunden fuhr das deutsche U23-Boot hinter dem slowenischen Vertreter ins Ziel. Ein Ärgernis, sagt Marcel Paufler: „Mit Silber sind wir eigentlich zufrieden. Aber weil es so eng war, ist es doch sehr bitter gelaufen.“

Zufrieden sind die Bremer Kanuten mit ihrer Ausbeute jedoch allemal und bekamen bereits während des Rückflugs einen Eindruck davon, was es heißt, Weltmeister zu sein: „Im Flugzeug empfing uns die Crew mit Sektflaschen. Und über Lautsprecher wurde durchgegeben, dass Goldmedaillengewinner an Bord sind“, sagt Sven. Als die beiden nach 48 Stunden ohne Schlaf wieder zuhause waren, wollten sie eigentlich nur noch ins Bett – doch es wartete eine weitere Überraschung auf die Athleten: „Der Verein hat noch eine Feier für uns organisiert. Da war an Schlaf nicht mehr zu denken“, sagt Marcel lächelnd.

Zum Abschluss der Wettkampfsaison fahren die beiden Mitte September nach Györ in Ungarn. Dort findet die diesjährige Weltmeisterschaft in der Marathon-Disziplin statt. Ambitionen, ihrer Medaillensammlung weitere Exponate hinzuzufügen, hegt das Geschwisterduo jedoch nicht: „Auch wenn uns die Strecke liegt, kommen bei einer WM die besten zusammen. Da in der Spitzengruppe mitzuhalten wird schwer“, sagt Sven. Eine Prognose, die nur geringe Erwartungen schürt. Aber dies war ja auch vor Bryson City der Fall.