Chef von 350 Kanuten

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Die Unentbehrlichen (XXXI): Lutz Steenken ist mehr als nur Abteilungsleiter bei Tura Bremen

Bei Tura Bremen, mit 2700 Mitgliedern ein Großverein in der Hansestadt, ist Lutz Steenken offiziell einer von 17 Abteilungsleitern. Doch das geht am realen Leben etwas vorbei. Denn tatsächlich ist Lutz Steenken seit 29 Jahren praktisch Vorsitzender der Tura-Kanuten. Und das ist ein Verein ganz für sich, heimisch direkt am Lesumhafen in Bremen-Nord. 
VON HEINZ FRICKE 

 Bremen. Die Wurzeln zum Stammverein sind noch nicht gänzlich verschüttet. „Wir haben einige ältere Mitglieder, die wohnen nach wie vor in Gröpelingen und kommen immer hierher zur Lesum“, weiß Lutz Steenken, Vorsitzender der Kanuabteilung von Tura Bremen. Dort spielen sie dann gelegentlich Tischtennis im Vereinsheim, nehmen an den Klub-Veranstaltungen teil. Und manchmal steigen sie auch noch in eines der 320 Paddelboote, die auf dem weiträumigen Klubgelände am Lesumhafen untergebracht sind.

Ebenso wie der 69-jährige Lutz Steenken, der 40 Jahre lang Polizeibeamter in Vegesack war und nun den Unruhestand genießt. Denn eigentlich hat der schlanke, wendige Mann, dem man sein Alter so gar nicht ansieht, immer etwas zu tun. Als wir ihn besuchen, mäht er gerade den Rasen auf dem Vereinsgelände, die Zeit ist knapp zwischen zwei größeren Terminen: Er ist gerade mit 60 Klubkameraden aus Mecklenburg von einer von ihm organisierten einwöchigen Paddeltour zurückgekommen, und als nächstes steht eine Fahrt in die Eifel an. „Das ist mehr ein Wildwasserrevier“, erzählt er.
So geht es seit fast drei Jahrzehnten. 1984 wurde Lutz Steenken Abteilungsleiter, seither hat sich einiges getan bei den Tura-Kanuten an der Lesum, einem idealen Standort für Wassersportler. „Wir haben die Wümme, Hamme und Weser vor der Haustür, besser geht es nicht“, weiß Steenken. So hat der Vereine keine Sorgen, im Gegenteil. Mit rund 350 Mitgliedern ist Tura der größte Verein im Landeskanuverband, Tendenz leicht steigend. „Und wir haben sehr viele Jugendliche, wir sind für die Zukunft gerüstet“, weiß der Abteilungsleiter.
In den Sommermonaten ist immer etwas los am Lesumhafen; zwei Bootshäuser und ein großzügig bemessenes Vereinsheim komplettieren das Gelände. Das Klubhaus hat man übrigens zum Teil dem Bremer Alt-Bürgermeister Hans Koschnick zu verdanken, der auch mal Mitglied war. Steenken erzählt: „Das war einmal eine Notunterkunft für ausgebombte Bremer und sollte dann abgerissen werden. Doch Koschnick verhinderte das. Wir haben das Gebäude übernommen und völlig renoviert.“
Spätestens am 31. Mai 2014 wird es dort wieder hoch hergehen. Denn das ist der Tag der Tiden-Rallye, dem größten Ereignis, das der Landeskanu-Verband alle zwei Jahre veranstaltet. Der Lesumhafen von Tura ist jedes Mal das „Gold-Ziel“ – wer es von Nordenham mit der Tide bis dorthin schafft, kann die begehrte Gold-Plakette in Empfang nehmen. Rund 70 Prozent der rund 330 Teilnehmer schaffen es und haben dann allen Grund, kräftig zu feiern. „Ich würde die Tiden-Rallye jedes Jahr durchführen, aber die Kosten sind einfach zu hoch“, sagt Steenken, der auch im Vorstand des Landeskanuverbandes tätig ist.
Sportlicher Höhepunkt dieses Jahres war die deutsche Meisterschaft im Quadratlon, einem noch recht neuen Wettbewerb, der dem Triathlon nachempfunden ist. Nur müssen die Teilnehmer außer laufen, schwimmen und Rad fahren auch noch im Rennkanu paddeln – Quadratlon eben. Durchgeführt wurde die Meisterschaft am Grambker Sportparksee, einem neuen Wassersportrevier, von dem sich Ruderer, Segler, Taucher und Kanuten vor einigen Jahren viel versprachen. Doch derzeit liegen die einst so kühnen Pläne auf Eis – zum Leidwesen von Lutz Steenken. „Wir Kanuten würden den See gerne nutzen. Doch das Projekt kommt nicht voran“, sagt er, ohne präziser zu werden. So wird das aktive Vereinsleben der Turaner wohl vorerst weiterhin auf Lesum, Hamme, Wümme und Weser stattfinden. Und damit kann auch der Abteilungsleiter ganz gut leben. 

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Die Unentbehrlichen: Ohne sie geht meist nichts. Sie sind nahezu unersetzlich in ihren Klubs, ohne selbst an der Spitze zu stehen. Die Rede ist von den unzähligen Männern und Frauen in Bremer Sportvereinen, die in speziellen Funktionen tätig sind, mit denen ihr Name ganz eng verbunden ist. Übungsleiter, Trainer, Ideengeber, Idealisten, kurzum: Menschen, die etwas nachhaltig bewegen. Von ihnen erzählt diese Serie.

Quelle: Weser-Kurier 08.10.2013, Hauptteil Seite 22