Einser-Abiturient und Doppelweltmeister

wm-2013-kMarcel Paufler steht in der Schule und bei der Wildwasser-WM ganz oben auf dem Siegerpodest

Mit zwei Goldmedaillen kehrte der Kanute Marcel Paufler von den WilextHdwasser-Weltmeisterschaften der Junioren aus Österreich zurück. Auf der Saalach bei Lofer paddelte der junge Bremer vom Verein Störtebeker Bremer Paddelsport sowohl im Classic Einzel als auch im Team zum Titel – für den frischgebackenen Doppelweltmeister war es das i-Tüpfelchen auf eine herausragende Saison.

VON FELIX FRANK 

 Bremen. Am Montag gegen Mitternacht trudelte Marcel Paufler mit dem Zug in Bremen ein. Zurück aus der österreichischen Marktgemeinde Lofer im Saalachtal. Zurück von der vergangene Woche ausgetragenen Kanu-Wildwasser-Weltmeisterschaft der Junioren. Im Gepäck: zwei Goldmedaillen. „Das ist unerwartet gut gelaufen. Das ist der absolute Hammer“, sagt 18-jährige Bremer, „ich habe damit geliebäugelt, auf dem Podest zu stehen. Aber Gold? Bei aller Liebe, damit habe ich nicht gerechnet. Im Wildwasser kann man nichts planen, da kann so viel passieren.“


Passiert wäre auf den letzten Metern des Einzelrennens im Einer-Kajak nämlich beinahe das große Unglück. Der Blondschopf hat die Bilder von der 3,5 Kilometer langen Classicstrecke noch genau vor Augen. Von der Dorfidylle, die das malerische Urlaubsdomizil Lofer ansonsten ausstrahlt, war wenig zu sehen. Als vorletzter Starter schmiss sich Marcel Paufler mit seinem Boot in die Strömung der Saalach. Ein Naturfluss, der sich durch die hohen Gipfel hindurchschlängelt. Die ungezähmte Natur, das ist die andere Seite von Lofer – und das Terrain, in dem sich Paufler am wohlsten fühlt.


Bei der dritten Zwischenzeit riefen ihm die Trainer eine Sekunde Vorsprung zu. Doch dann das Malheur: Die bis dato weltmeisterliche Fahrt drohte 30 Meter vor der Ziellinie tragisch zu enden. Beim letzten Sprung zwischen zwei Steinen hindurch eckte der Kanute mit dem Heck an – das Boot geriet in Schieflage. „Ich habe im Zielbereich ein ziemlich lautes Stöhnen im Publikum gehört“, sagt Paufler, „das war ein Schreckmoment. Ich hätte auch komplett reinfliegen können.“ 


Aber das tat er nicht. Marcel Paufler fing das Boot ab, rettete sich in 10:10,88 Minuten ins Ziel. Und das als neuer Junioren-Weltmeister. „Es war knapp, aber es hat zum Glück geklappt. Das war eine klasse Atmosphäre. Viele deutsche Fans waren an der Strecke, man wurde durchweg angefeuert. Ich habe zehn Minuten komplett unter Adrenalin gestanden“, so der Bremer Langstreckenspezialist. Hinter Paufler holte sich der Düsseldorfer Finn Hartstein mit drei Sekunden Rückstand Silber in der Königsdisziplin.
Nur einen Tag später setzte Paufler seinen Goldrausch auf der Saalach fort: Auch mit dem deutschen Nationalteam sicherte er sich Gold über die technisch anspruchsvolle Strecke. Im Classic Team paddelte er mit Finn Hartstein und Joshua Piaskowski (Fulda) einen souveränen Mannschaftssieg heraus. Das Trio gewann mit über zehn Sekunden Vorsprung vor der tschechischen Mannschaft.

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Erst das Abitur, nun die WM
Bereits 2012 hatte Marcel Paufler bei den Junioren-Europameisterschaften mit dem Titel im Classic Team und als Zweiter in der Einzelwertung auf sich aufmerksam gemacht. Nun also der ganz große Coup: Doppelweltmeister. „Das ist mit Abstand der größte Erfolg“, sagt der Kanute vom Störtebeker Bremer Paddelsport, der in dieser Saison auf nationaler Ebene für den PSV Braunschweig startet. Nach diesem Erfolg sah es vor gut zwei Monaten allerdings nicht aus. „Das hat alles auf wackligen Beinen gestanden“, sagt der Abiturient. 


Genau in die Zeit der Deutschen Meisterschaften fiel die Abitur-Prüfung. Doch Marcel Paufler meisterte beide Hürden mit Bravour – das Abi mit einem Schnitt von 1,1 und die WM-Qualifikation als Deutscher Meister. Froh sei er gewesen, als der schulische Stress vorbei war. „Das ging an die Substanz“, sagt er über die Doppelbelastung. Die Kanu-Leidenschaft trieb ihn zu Höchstleistungen – in der Schule, vor allem aber auf dem Wasser.


Aus Lofer nimmt Marcel Paufler „jede Menge Spaß und Erfahrung“ mit. Die schönsten Augenblicke der vom Deutschen Kanu-Verband in Kooperation mit der Gemeinde Lofer ausgerichteten WM, bei der 100 Junioren aus 14 Nationen in 20 Wettbewerben an den Start gingen, beschreibt er so: „Ich werde mich auf jeden Fall an die Siegerehrung und die letzten 200, 300 Meter erinnern. Eigentlich ist der Kopf abgeschaltet, aber das geht nicht so an einem vorbei: Man hört die Zuschauer. So ein Gänsehautmoment, das vergisst man nicht.“ Vergessen wird das sein Heimatverein wohl auch nicht. Ein Doppelweltmeister beim Störtebeker Bremer Paddelsport – das gab es in der Historie noch nie. So organisierte der Paddelsportverein just am Tag der nächtlichen Rückkehr ein Überraschungsgrillen für „seinen“ Doppelweltmeister Marcel Paufler. Ein gebührender Empang.

 
Quelle: Weser-Kurier - Hauptteil vom 17.07.2013 Seite 26