Nostalgie-Wettfahrt auf der Weser

Bremen. Der Landes-Kanu-Verband hatte die alten Canadier und Wellenbinder eingeladen, und 32 Boote trafen sich am Sonnabend, 20. September, auf der Weser im Schatten des Stephani-Turms bei strahlendem Wetter quasi als Auftakt zur Maritimen Woche. Jeweils viermal war der 1,3-Kilometer-Kurs zwischen Stephani-Brücke und Teerhofbrücke mit zwei Wenden zu durchfahren. Der Anlege-Schlengel des Landesverbandes Motorbootsport Bremen beherbergte unter der Obhut von Regattaleiter Mike Schäfer für einen Tag eine Reihe von nahezu musealen Seltenheiten, die jedoch für Bremer Verhältnisse sensationell galten.

Nostalgie-2008

Beispielsweise die mehr als vierzig Jahre alte „Dreikantfeile“ des Berliner Bootsmotoren-Herstellers Dieter König, der 1991 mit seinem Ultraleichtflugzeug tödlich verunglückte, Dieses holländische Boot ist original wie früher mit einem 65-PS-Motor von 1984 und der alten Startnummer 92 von Dirk Geils brillant vorgeführt worden. Leider streikte die Maschine nachmittags während des zweiten Durchgangs. Gegen solch eine Art Flunder hatte Taco Vonk aus Amsterdam mit seiner französischen Konstruktion und einem „Schorstein“ (65-PS-Sechszylinder Mercury) wenig Chancen, denn dessen Batterie wiegt schon mehr als der „Puc“ von Dirk Geils.  Zweiter hinter Taco Vonk wurde Oliver Ehmke mit seinem 2006 entdeckten und dann völlig neu aufgebauten Wellenbinder „Aragon“ mit 75-PS-Mercury.

Rein klassisch zeigten sich die alten Wellenbinder mit bis zu 15-PS-Maschinen. Wie immer kommt es darauf an, die Wendemarke möglichst zügig zu runden, ohne dem Boot die Geschwindigkeit zu nehmen. Das gelang Uwe Köster mit seinem Nico-Meyer-Knickspanter „Pocahontas“ einen Tick schneller als Oliver Sablinski mit seinem Hermann-Ramke-Boot von 1959.

Nach der Mittagspause boten die fünf alten Canadier mit Seitenbord-Antrieben eine Demonstration, wie es vor fünfzig Jahren auf der Weser und ihren Nebenflüssen zuging – mittendrin der 79-jähtige Altmeister Fritz Döling mit dem 2007 mühevoll komplett restaurierten „Stuten“ von 1927, damals von Dierk Steinforth am Torfkanal in doppelter Gabun-Karweel-Beplankung gebaut. Heutzutage ist eine derartige Handwerksarbeit nicht mehr zu bezahlen. Der Canadier hat den Krieg durch Zufall überstanden, weil er nicht im Bootshaus des Waller Wassersportvereins gelagert war.

Peter Happe hatte den völlig restaurierten „Wotan“ sensationell bestückt – und zwar mit zwei Seitenbordern gleichzeitig: an Backbord das traditionell 3,5 PS leistende „EFFZETT“-Nachkriegsmodell (steht für den Berliner Hersteller Fritz Ziegenspeck) und an Steuerbord den in den sechziger Jahren hochmodernen 2,3 PS hervorbringenden Zündapp mit gekapselter Antriebswelle und flachem Tank, deswegen auch „Tellermine“ genannt. Mit beiden Motoren schob das Boot einen mächtigen Bart vor sich her.

In der 50-PS-Klasse trafen unter anderen die beiden Wellenbinder „Aldebaran“ (gebaut 1964/65, restauriert 1995 durch Fritz Döling jun.) und „Manolito“ (Baujahr 1972) aus der Werft von Hermann Claus aufeinander. Patrick Ramm  als Pilot des „Manolito“ war zwei Sekunden schneller als Fritz Döling – machen 0,6 Meter so viel aus? Länge läuft! „Tonga“ mit Ulli Thöle schaffte den Kurs wenige Sekunden Schneller als „Mary Lou“ mit Jürgen Müller in den Wellenbindern mit 40 PS. Noch schneller zeigten sich „Romantica“ mit Bernd Glasemacher und „De’Ja’Vu“ mit Mike Schäfer in der Klasse 30 PS – Mike schaffte die Wenden rasanter und nahm Bernd zehn Sekunden ab.   

                                                                                                 Karl-Heinz Hofmann